Zusammen mit meinem Roommate Branco aus Argentinien teile ich mir ein Taxi zum Flughafen. So wie für ihn beginnt für mich mit dem nächsten Flug ein neues Chapter. Hätte mir vorher mal jemand erzählt, dass ich jemals einen Fuß auf Neuseeland setzen werde, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Doch genau das habe ich nun vor. Ich verabschiede mich von Branco, der nach Thailand fliegen wird und freue mich auf ein neues Abenteuer. Der Start jedoch verläuft mal wieder alles andere als geplant – die drei Stunden Verspätung des Fluges nach Auckland sind dabei nur ein Vorläufer.
Wärend des Fluges passiert eine ganze Weile lang nichts. Land sehe ich erst bei der Landung wieder – aber was für eins! Schon von Oben macht Neuseeland eine tolle Figur und Lust auf mehr. Aus dem Fenster des Flugzeugs sehe ich einen wunderschönen Sonnenuntergang mit beeindruckenden Farben, die im Wasser schimmern. Obwohl ich wirklich nicht so weit von Australien entfernt bin, zeigt sich hier eine ganz andere Natur.
Zu meinem Glück nimmt mir Damaris die Verspätung nicht übel. Damaris – eine ganz Liebe – ist eine Freundin die ich durch meinen Blog auf Instagram kennen gelernt habe. Sie wartet bereits am Ausgang des Flughafens auf mich. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir schon ihre WG am Rande Aucklands, wo ich glücklicherweise die erste Nacht verbringen darf. Damaris hat mir hierfür ein liebevolles Nachtlager im Wohnzimmer eingerichtet, Abendessen und Tee gekocht – ich fühle mich sofort wohl bei ihr.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon sehr früh, denn ich habe bereits am ersten Tag schon einen Termin in der Stadt. Ich habe über Escape Rentals einen Campervan für meinen Roadtrip durch Neuseeland gebucht und muss diesen abholen. Kurz die Route im Internet gesucht, Bus Nummer 12. Easy Peasy. Ich laufe zur Bushaltestelle.
Haha. Nein.
Als nach Zwanzig Minuten Wartezeit der Bus vorfährt fällt mir ein, dass ich das Ticket gar nicht bezahlen kann. Mit meinen australischen Dollar komme ich in Neuseeland nicht weit, das habe ich mal wieder vergessen. Also versuche ich ohne Internet einen ATM zu finden, was sich im Randbezirk Aucklands als unmögliche Quest herausstellt. Was ich stattdessen nach 2 Stunden finde, ist ein Laden mit Sim Karten. Halleluja!
Auf Damaris‘ Empfehlung hin kaufe ich eine von 2Degrees und lade sie mit 10 Dollar auf. Natürlich – wie soll es auch anders sein – finde ich nur wenige Minuten später einen Geldautomaten auf der Rückseite des Geschäfts.
Dann kann es ja losgehen, wa?
Zwei ganze Stunden nach vereinbartem Abholtermin kreuze ich bei Escape Rentals auf. Meine peinlich berührten Entschuldigungen möchte dort aber niemand hören – alles gar kein Problem. Die Frau am Empfang ist zufällig auch eine deutsche Backpackerin, was die Kommunikation gleich viel leichter macht. Denke ich.
Weil ich nämlich ein ganz schlauer Fuchs bin, will ich die Kaution für den Van auf meiner deutschen Kreditkarte einfrieren lassen. An das Konto gehe ich für gewöhnlich sowieso nicht und es kann deswegen gerne blockiert werden. Die Rechnung habe ich allerdings ohne meine Bank gemacht, die das Kreditkartenlimit mit 500 Euro pro Monat definitiv zu niedrig angesetzt hat. Gut informiert, Jess! Was ich für einen Eindruck hinterlassen muss. Erst komme ich zwei Stunden zu spät, dann scheine ich auch noch Pleite zu sein. Weil alles nichts nützt und ich um die Provision nicht herumkomme, nehme ich meine australische Kreditkarte, was das Reisebudget für Neuseeland gleich zu Beginn erheblich einschränkt.
Neuseeland, ich grüße dich!
Mein schnieker Camper ist von oben bis unten mit Grafitti besprüht, an der Tür ist eine Echse aufgemalt. Ich taufe ihn auf den Namen Ernie. Jetzt kanns dann aber losgehen. Es ist bereits 16 Uhr am Nachmittag aber hey, besser spät als nie. Weil ich für meinen Roadtrip noch einige Lebensmittel benötige und der Van nur mit den Basics ausgestattet ist muss ich zuerst noch einkaufen. Der günstigste Supermarkt in Neuseeland ist Pack’n’Safe, meine erste Anlaufstelle. Der erste Einkauf vor einem Roadtrip ist für jeden Backpacker brutal Aufregend. Das ist fast zu vergleichen mit jenem Gefühl, das man hat, wenn man für seine erste eigene Wohnung durch Ikea läuft.
Mein erster Campingplatz für die kommende Nacht liegt laut Maps nur 1,5 Stunden südlich von Auckland. Weil der heutige Tag mich aber irgendwie auf dem Kicker hat komme ich dank Rushhour und plötzlich einsetzenden Monsunregen erst kurz vor Sonnenuntergang an. Das Abendessen muss ich also nicht nur im Regen, sondern auch noch im Dunklen kochen.
Man könnte jetzt meinen, dass ich nach Alledem stinksauer und demotiviert-an-die-Decke-starrend in meinem Van liege. Tatsächlich platze ich aber fast vor Glückseeligkeit. Es könnte nicht schöner sein! Ich liege in einem mega coolen Van mitten in Neuseeland, höre das Meeresrauschen und genieße den Beginn eines weiteren Abenteuers.
Neuseeland wartet darauf, entdeckt zu werden!