Kristallklares Wasser und das tiefste blau, das man sich je vorstellen könnte – das ist das Ziel der Tageswanderung zur Laguna 69, ein tiefblauer Gletschersee mitten in den Anden auf 4.604 Metern Höhe.
Wohin soll es gehen?
Nach unserem Abenteuer am Amazonas ging es für uns von Iquitos direkt nach Lima, der Hauptstadt Perus, wo wir ein paar Tage verbrachten. Wir trafen eine Bekannte von Tobi und genossen es, nach der Ruhe auf dem Amazonas wieder in einer Stadt zu sein. Wir gingen sogar ins Kino und schauten uns den König der Löwen auf Spanisch an (dazu sage ich jetzt mal nur so viel: es war gut, dass wir die Handlung schon kannten :D). Nach ein paar Tagen Stadttrubel sitzen wir nun also in unserer Unterkunft und überlegen, wo es als nächstes hingehen soll. Auf vielen bekannten Blogs lese ich immer wieder von einer Lagune, die irgendwo in den Anden liegen soll. Auf den Bildern wirkt sie so unfassbar blau und mich kitzelt es zu wissen, ob die Bilder wirklich echt sind. Kurzerhand entscheiden wir uns also, der Sache einmal auf den Grund zu gehen.

Schon wenige Stunden später sitzen wir im Bus von Lima nach Huaraz. Mit zwei Tabletten gegen Reiseübelkeit schieße ich mich schon gleich zu Beginn ins Jenseits, von der Busfahrt bekomme ich nicht viel mit. Kurz nach Sonnenaufgang fährt der Reisebus nach 8 Stunden Fahrtzeit in den Busbahnhof von Huaraz ein. Benommen und schläfrig watschel ich Tobi hinterher zu unserer Unterkunft, die Gott sei Dank nicht weit entfernt liegt.
Huaraz selbst ist ein kleines, traditionelles Bergdorf. Es ist der Ausgangspunkt für viele Wanderungen in die Anden, ganz speziell aber für die berühmte Laguna 69. Bemerkenswert ist, dass das Dorf bereits schon auf einer Höhe von knapp 3000 Metern über dem Meeresspiegel liegt.
Die Höhenkrankheit
Bei einer Höhe von 2.500 Metern liegt die Grenze für die Höhenkrankheit. Das bedeutet, dass der Körper mit dem geringen Sauerstoffgehalt der Luft nicht mehr klarkommt, was Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel hervorbringen kann. In manchen Fällen kann die Höhenkrankheit sogar zu akuter Lebensgefahr führen, wenn man nicht schnell genug handelt. Die Reaktionen auf den Sauerstoffmangel sind von Person zu Person unterschiedlich, es kann aber jeden treffen, unabhängig von der Fitness. Da wir in Lima zuvor so ziemlich auf Meeresspiegelhöhe waren und nichts riskieren wollen, müssen wir uns also erst an die neue Höhe gewöhnen, bevor wir erste Anstrengungen und Wanderungen unternehmen können. Akklimatisieren ist das Stichwort. So entscheiden wir uns, den ersten Tag in Huaraz zu bleiben.
Diesen „Akklimatisierungstag“ brauchen wir auch, denn schon wenige Stunden nach unserer Ankunft merken wir die Höhe zum ersten Mal. Leichte Kopfschmerzen und Müdigkeit machen sich breit und wir fühlen uns antriebslos. Das Zimmer unserer Unterkunft verlassen wir nur für ein paar Stunden, um Huaraz zu erkunden und etwas zu essen. Wir bestellen einen Koka-Tee, das Wundermittel der Peruaner gegen Höhenkrankheit. Die getrockneten Blätter werden entweder mit heißem Wasser aufgegossen und als Tee getrunken oder man kaut auf ihnen herum.
Der Wilcacoca Trail
Auf dem Blog von Geh mal Reisen schreiben die Beiden über eine kleine Wanderung, die sich bestens zum Einstieg eignen soll. Bevor wir uns also auf den Weg zur bekannten Laguna 69 machen, packen wir am nächsten Tag unsere kleinen Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Wilcacoca Trail, der nur wenige Minuten außerhalb von Huaraz startet und mit dem Collectivo der Linie 1 zu erreichen ist.

Das Ziel der Wanderung auf dem Wilcacoca Trail liegt nur etwa 700 Höhenmeter höher als Huaraz selbst, der Weg dorthin ist auch nicht besonders steil. Und dennoch muss ich mich ganz schön anstrengen, um einen Fuß vor den nächsten zu setzen. Die Wanderung zur Laguna 69 kann ja was werden, denke ich mir. Wir kommen nur langsam voran und müssen immer wieder Pausen machen. Langweilig wird uns dabei aber nicht, denn die Aussicht auf die Berge wird mit jedem geschafften Meter phänomenaler.

Oben angekommen bin ich stolz wie Oskar. Da bin ich nun, auf knapp 3700 Metern über dem Meeresspiegel, sitze neben meinem Herzensmenschen und schaue auf eine kleine Lagune. Im Hintergrund türmen sich die 6000er der Anden auf. Ich könnte nicht glücklicher sein, war es doch schon immer ein Wunsch von mir diese zu sehen. Mein persönliches Highlight ist ein kleiner Esel, der sich riesig freut für unsere Kamera zu posieren.



Nach einem ausgiebigen Fotoshooting beginnen wir mit dem Abstieg und buchen gleich nach der Rückkehr am Abend eine Trekking-Tour zur Laguna 69 bei einem der vielen Tour-Anbieter. Wir fühlen uns bereit.

Abenteuer Laguna 69
Der Wecker klingelt mitten in der Nacht. Die nette Dame am Vorabend hat uns für 5:30 Uhr vor das Hostel bestellt. Ein Bus wird uns dort einsammeln. Hektisch packen wir unsere Sachen zusammen, wir sind spät dran. Tatsächlich hätten wir das gar nicht machen müssen, denn der Bus kommt sage und schreibe ganze 2 Stunden zu spät. Nach etlichen Whats-App-Nachrichten und Anrufen bei der Frau, die uns freundlicherweise ihre Nummer hinterließ (die Arme haben wir wohl aus dem Bett geworfen und vollends überfordert), fährt ein mittelgroßer Reisebus die Straße entlang und kommt mit quietschenden Bremsen zum Stehen. Drinnen herrscht stickige Luft und es sind nur noch zwei getrennte Plätze frei.
Die Fahrt zum Startpunkt der Wanderung zieht sich wie Gummi, was nicht zuletzt wohl daran liegt, dass der Bus maximal 30km/h fährt. Ein bisschen Abwechslung bekommen wir immerhin geboten. So halten wir an zwei weiteren Lagunen an, die beide ebenfalls so unfassbar blau sind, dass ich mich beinahe frage, wie die Laguna 69 das jetzt noch toppen soll. Nach insgesamt drei Stunden Busfahrt in Minusgeschwindigkeit über Stock und Stein und einem kurzem Frühstücksstopp geht es dann endlich los.

Der Trail
Für den Aufstieg zur Laguna 69 brauchen wir ca. drei Stunden. Ganz anders als erwartet scheinen wir im Gegensatz zu den anderen Wanderern doch relativ fit zu sein. Als letztes gestartet, überholen wir trotz Pausen auf dem Weg nach oben nach und nach sämtliche Menschen. Zugegeben, ein Kinderspiel ist diese Wanderung auf keinen Fall. Zum Ende hin wird es auch für uns echt anstrengend.

Der Weg beginnt in einem wunderschönen Tal und geht an einem Fluss entlang. Danach geht es im engen Zick-Zack die erste Steigung hinauf. Direkt dahinter eröffnet sich ein unfassbar toller Ausblick auf ein Plateau und mehrere kleine Bergseen. Das einzige, was den Anblick etwas trübt, ist der verdammt hartnäckige Wind, der über das Plateau fegt und mir beinahe das Gesicht einfrieren lässt. Wir müssten nun etwa auf knapp 4.000 Metern sein. Von der Laguna 69 jedoch fehlt immernoch jede Spur.

Die darauffolgenden Höhenmeter schleppen wir uns schweigend nach oben. Viel zu sehr sind wir damit beschäftigt, die wenige Luft, die hier vorhanden ist, einzuatmen und einen Schritt vor den Nächsten zu setzen. Dann kommen wir endlich an einem Schild vorbei, dass uns auf die Laguna 69 aufmerksam macht. Dahinter erstrahlt das krasseste Blau, das ich in meinem Leben je gesehen habe. Das Wasser ist komplett ruhig, lediglich ein kleiner Wasserfall plätschert von den steilen Bergwänden nach unten.

Postkartenmotiv Laguna 69
Wir haben es geschafft. 4.604 Höhenmeter! In meinem ganzen Leben hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages mal auf einem so hohen Punkt der Erde stehen werde! Wir suchen uns einen Stein und lassen uns nieder. Die Waden schmerzen, die Lunge pfeift, aber all das interessiert mich nicht. Vor mir liegt einfach das schönste Postkarten-Motiv, dass ich mir je erträumen könnte (ok, einzig der Strand von Providencia könnte im Postkarten-Motiv-Wettbewerb noch mithalten).


Ich hätte noch Stunden dort oben verbringen können, aber schon nach einer Stunde Rast werden wir von unserem Tour-Guide gebeten, uns langsam auf den Rückweg zu machen. Die Rückfahrt im Bus kommt mir plötzlich weniger lang vor, obwohl wir sogar einen Umweg fahren. Ich bin zu müde, um mir darüber Gedanken zu machen. Nach einem schnellen Abendessen im Dorf kehren wir zu unserer Unterkunft zurück und fallen ins Bett. In der folgenden Nacht schlafe ich wie ein Stein.

Fazit & Kosten Laguna 69
Es war definitiv das anstrengendste, was ich bis dato je gemacht habe. Ein 5-Stunden-Tennismatch ist nichts dagegen, aber ich würde mir den Anstieg zur Laguna 69 jederzeit wieder antun. Die Tageswanderung ist einfach ein unvergessliches und einmaliges Erlebnis. Die Akklimatisierung in Huaraz war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, genauso wie die vorherige Wanderung am Wilcacoca Trail. So konnten wir uns langsam an die Höhe gewöhnen und hatten auch beim Endgegner Laguna 69 keine Probleme. Wir haben übrigens festgestellt, dass es egal ist, bei welchem Tour-Anbieter man die Trekking-Tour bucht. Alle haben die gleichen Preise oder unterscheiden sich zumindest nur minimal voneinander. Am Ende sitzen sowieso alle in einem Bus.
Kosten für die Laguna 69 Tour: 35 Pesos pro Person + 30 Pesos Nationalpark Eintritt
1 comment