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Wanderung auf dem Salkantay Trek

74KM ZUFUSS NACH MACHU PICCHU – DER SALKANTAY TREK TEIL 1

Heute erzähle ich dir von einer atemberaubenden Wanderung über die Anden Südamerikas bis hin zum Machu Picchu. Wie ich mich über den Salkantay Trek ganze 74 Kilometer fünf Tage lang auf über 4.600 Meter Höhe quälte. Ein bewegendes Abenteuer, bei der die Wanderung selbst zum Highlight wurde, welche mir alles abverlangte und einen zusammengewürfelten Haufen Fremder verschiedenster Länder zu Freunden machte.

Rückblick

Bevor ich nach Südamerika reiste, verband ich mit Peru vor allem eines: die alten Ruinen von Machu Picchu! Für mich war klar, dass ich diese auf jeden Fall einmal sehen wollte, wenn ich schonmal in Peru war. Zu meinem Glück teilte Tobi diese Meinung mit mir. Wir wollten aber nicht einfach mit dem Zug dort hinfahren, uns im besten Fall noch mit dem Bus bis vor den Eingang chauffieren lassen, kurz mal „wow“ sagen und wieder fahren.

Nein, das musste auch anders gehen. Wir mussten es uns verdienen. Das Schicksal spielte uns in die Karten, als wir bei einem Treffen mit Freunden in Lima vom Salkantay Trek erfuhren. Sie sprachen von einer 5 tägigen Wanderung über die Anden, bei der sie in kleinen Zelten direkt unter dem Sternenhimmel schliefen. Am Ende des kräftezehrenden Treks wartete zur Belohnung nichts Geringeres als das Inka Dorf Machu Picchu. Für uns stand schnell fest: Das wollten wir auch!

Hola, Cusco

Und so landen wir nach einiger Zeit in Cusco, der ehemaligen Hauptstadt der Inka. Auch wenn es in der Stadt unzählig viele Tour-Anbieter gibt, marschieren wir am ersten Tag auf Anraten unserer Freunde direkt zu Machu Picchu Reservations und buchen dort eine Tour über den Salkantay Trek für die folgenden Tage.

Cusco ist die ehemalige Hauptstadt der Inka

Unmittelbar danach – lasst mal 20 Minuten vergangen sein – nehme ich ein leichtes Kratzen im Hals wahr. Es wäre ja auch wirklich zu schön gewesen, einmal länger als eine Woche durchgehend gesund zu sein. Es dauert keine 2 Stunden, bis ich schon wieder völlig schniefend und hustend neben Tobi durch die Gassen Cuscos laufe. Man könnte meinen, dass ich mich nach mittlerweile 8 Wochen in Südamerika an den Zustand des „Dauer-krank-seins“ gewöhnt hätte, trotzdem passt mir das natürlich absolut nicht in den Kram. Unsere letzten Tage in Peru sind komplett durchgeplant und einen weiteren Ausfall kann ich mir nicht erlauben. Für eine Verschiebung der Tour bleibt uns keine Zeit mehr. Sie wird am nächsten Morgen starten, ob mit mir oder ohne mich. Und so beschließe ich, es zumindest zu versuchen.

Cusco am Tag zuvor

In unserer Unterkunft ist es am nächsten Morgen so kalt, dass es mich ehrlich nicht wundern würde, wenn ich einen Pinguin im Bad treffen würde. Meine Erkältung fühlt sich an, als wäre in der Nacht ein Panzer über meinen Körper gerollt. Wir treffen als Letztes am Treffpunkt ein und bekommen die letzten Plätze im Bus. Rückbank Mitte. Jackpot! Das setzt meiner ohnehin schon schlechten Laune gleich noch eins obendrauf.

Die Fahrt zum Startpunkt der Wanderung beträgt etwa 3 Stunden. Zwischendurch gibt es einen kleinen Frühstücksstopp. Wir sitzen mit einem Haufen Fremder zusammen an einem Tisch und versuchen, müde etwas Smalltalk zu führen. Sofort fällt mir auf, wie verschieden wir alle sind. Da ist dieser coole schlagfertige Amerikaner, offensichtlich alleine unterwegs, der wie ein Wasserfall spricht. Daneben ein italienisches Pärchen Mitte 30, beide sehr ruhig und zurückhaltend. Eine kleine Gruppe Franzosen unterhält sich untereinander. Sie wirken sehr sportlich und ich frage mich, ob ich mit meiner Erkältung da überhaupt mithalten kann. Uns gegenüber sitzt ein Schweizer Pärchen, direkt daneben zwei weitere Deutsche in unserem Alter.

Zufuss über den Salkantay Trek

Wir fahren weiter zu unserem Startpunkt des Salkantay Trek in Molleta. Dieser befindet sich auf etwa 3.000 Meter Höhe und dort verabschieden wir uns von unseren Rucksäcken. Diese werden von Maultieren zum ersten Campspot getragen. Für den Anfang werden wir einige Meter zu einer Lagune aufsteigen, um uns an die Höhe zu gewöhnen. Dafür werden wir nur etwa fünf Kilometer zurücklegen und die Nacht werden wir wieder etwas weiter unten verbringen. Nach einer kurzen Einweisung und der Gründung eines Gruppennamens, „Chaskis“, laufen wir los. Zu meinem Erstaunen kann ich doch ganz gut mit der Gruppe mithalten und habe sogar weniger Probleme mit der dünnen Luft als Tobi.

irgendwo auf dem Salkantay Trek wurde dieses Bild gemacht

Unser Guide Zucemo macht immer wieder kleine Pausen, um uns Geschichten zu erzählen. Er selbst ist ein Nachfahre der Inka und in der Region aufgewachsen. Sein Geld verdient er gelegentlich als Tourguide, weil er diese Strecke liebt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen seine Patcha Mama, die Mutter Natur, nahezubringen.

Laguna Humantay

Es dauert nicht lange, bis wir unser erstes Etappenziel erreichen: die Laguna Humantay auf etwa 4.200 Metern Höhe. Hier haben wir eine Stunde Zeit für uns, um etwas herumzulaufen und Fotos zu machen, bevor es wieder nach unten geht.

An der Laguna Humantay angekommen

Der Rückweg zieht sich dann aber doch etwas in die Länge. Wir beginnen allmählich, uns mit den anderen der Gruppe zu unterhalten. So lernen wir Sabrina und Stefan kennen. Mit ihnen werden wir die ersten Tage am meisten zu tun haben.

Basecamp für die erste Nacht

Wir übernachten in einem wunderschönen Berg-Camp auf 3.000 Metern Höhe mit Blick auf die Anden. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und bin mächtig stolz, es trotz Erkältung bis hier hin geschafft zu haben. Solch einen Anblick kennt man sonst nur aus irgendwelchen „Abenteuer-Katalogen“ mit völlig überteuerten Übernachtungsangeboten. Am späten Abend werden wir mit einem grandiosen Blick auf die Milchstraße belohnt.

Eiskalte Nacht

Und wenn ich dachte, im Hostel in der Nacht zuvor sei es kalt gewesen – Leute, die Nacht in diesem Mini-Holz-Zelt mit Strohdach kann das ganze nochmal um Längen toppen! Ich bekomme Fieber und muss von Tobi in 7 (!) Lagen Klamotten eingepackt werden, damit ich halbwegs schlafen kann. Wenn man denn von schlafen sprechen kann. Ich könnte wetten, dass ich gerade erst die Augen geschlossen habe, als es schon an unserem Zelt klopft und jemand „Wake up, Coca Tea!“ hineinruft. Drei Uhr morgens. Kaum zu glauben, dass ich mir das freiwillig antue. Ich scheine aber nicht die einzige zu sein, die sich nicht so sehr darüber freut. Selbst Gabe, die amerikanische Quasselstrippe, ist an diesem morgen auch nicht gesprächig.

Hoeher als die Wolken

Vamos a lá Salkantay Trek

Kurz vor Sonnenaufgang macht sich unsere Truppe schon wieder auf den Weg. Vor uns liegen 18 Kilometer Fußmarsch und mit 4.600 Metern der höchste Pass des Salkantay Trek. Eins kann ich auf jeden Fall sagen: der Aufstieg zur Laguna Humantay am Vortag war dagegen wirklich nur ein minimales Aufwärm-Programm! Heute geht es gefühlt nur nach oben. Wir sind sogar so langsam, dass uns die Maultiere mit unseren eigenen Rucksäcken überholen.

Meine Lunge hört sich an wie Darth Vader und der Husten macht mir stark zu schaffen, dennoch bekomme ich es tatsächlich irgendwie hin, oben auf der Spitze des Salkantays anzukommen. Als ich das Schild lese, bin ich überglücklich. „Das schlimmste ist geschafft“, denke ich mir. Meine Beine lachen leise darüber, wie süß und naiv ich bin so zu denken, an Tag zwei von fünf.

Oben angekommen, da darf das Gruppenfoto nicht fehlen

Ein unvergesslicher Moment

Dann geschieht etwas, das ich nie vergessen werde. Zucemo bittet uns, sich im halbkreis um ihn herum zu stellen. Er erzählt von seiner Kindheit und dass er früher immer an diese Stelle kam, weil er sich an diesem Ort seiner Patcha Mama am meisten verbunden fühlt. Er macht ein Ritual der Inka mit uns und hält eine bewegende Rede, die mir tief ins Herz geht. „Sie sieht uns. Sie sieht unsere Taten. Und Sie wird gut zu uns sein, wenn wir es zu ihr sind.“ Sagt er. „Ich habe eine Bitte an euch. Hier sind viele Pärchen in der Gruppe. Einige werden vielleicht nicht für immer zusammen sein, manche aber schon.“

Zucemo haelt eine bewegende Rede

Dann schaut er mir direkt in die Augen. „Dann werdet ihr Kinder haben, und sie werden Kinder bekommen. Wir haben nur eine Patcha Mama. Hier kommen so viele Touristen her und ich sehe so viel Müll überall. Bitte tut Patcha Mama das nicht an, tut euren Kindern das nicht an. Sie brauchen unsere Patcha Mama.“ In der Gruppe herrscht beklemmende Stille. „Bitte pflanzt einen Baum, wenn ihr nach Hause kommt. Er ermöglicht so viel Leben.“ Es sei seine Aufgabe, die Menschen zu sensibilisieren, sagt er. Es erfülle ihn mit Stolz, wenn am Ende der Tour in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe Bilder von gepflanzten Bäumen gepostet werden.

Nur zwei Wochen nach dieser Tour wurde von den Franzosen das erste Bild eines kleinen Bäumchens in unsere Gruppe mit dem Namen „Chaskis“ gestellt.

Ein halbes Jahr später erreichte uns ein weiteres Bild: das schweizer Pärchen hat ihren Kater nach Zucemo benannt.

Und mit diesen Gedanken möchte ich den Text für heute abschließen.

Du möchtest wissen wie es weiter geht? Dann lese jetzt den zweiten Teil!

1 comment

  • HOLA MACHU PICCHU -SALKANTAY TREK TEIL 2 - freigereist
    3. Oktober 2020 at 10:36

    […] mir liegen 74 Kilometer, 5 Tage, eine Erkältung des Grauens und jede Menge Nerven. Wenn du den ersten Teil der Geschichte noch nicht kennst, dann empfehle ich dir, dir diesen zuerst […]

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Seit Oktober 2017 in der Welt zu Hause. Ich berichte auf diesem Reiseblog über meine ganz persönlichen Erfahrungen, was mich bewegt und gebe dir Tipps für deine eigene Planung. Emotional und echt – stets mit dem Herzen auf der Zunge. Ich freue mich, dass du hier bist.

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