Site is loading
machu picchu

HOLA MACHU PICCHU -SALKANTAY TREK TEIL 2

Meine Beine schmerzen, meine Lunge weint, aber das stört mich nicht. Ich habe es geschafft. Vor mir liegt Machu Picchu, das verlassene Dorf der Inka. Und hinter mir liegen 74 Kilometer, 5 Tage, eine Erkältung des Grauens und jede Menge Nerven. Wenn du den ersten Teil der Geschichte noch nicht kennst, dann empfehle ich dir, dir diesen zuerst durchzulesen.

Nach Zucemos emotionaler Rede über die Patcha Mama und seinem Wunsch, die Menschen mehr für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, ziehen wir weiter. Die Landschaft wirkt kalt und steinig, hin und wieder kommen wir an einem kleinen Bergsee vorbei. Zivilisation sucht man hier vergebens, wir treffen lediglich auf eine kleine Hütte, in der wir zu Mittag essen.

Noch ein letztes Bild, bevor es weiter geht

Lost

Dann passiert etwas, was jeder wohl als einen Albtraum bezeichnen würde.
Binnen Sekunden zieht ein so dichter Nebel auf, dass wir mit größter Anstrengung gerade mal 10 Meter weit sehen können. Bestes Timing für meine Blase, mich zu einem kurzen Stopp zu zwingen. Ich könnte schwören, der ganze – nennen wir es mal Prozess – dauert nicht mal eine Minute. Und weil ich in der Ferne die schwach leuchtende Jacke von Claudia, einer Wanderin unserer Gruppe, wahrnehme, mache ich mir zunächst keine Gedanken. Als Tobi und ich zu ihr aufschließen dann der Schock: sie hat die Gruppe selbst verloren und ist absichtlich langsamer gelaufen, weil sie wusste, dass wir noch hinter ihr waren. Na schönes Ding.

Die Sichtweite betraegt weniger als 10 Meter

Ziellos laufen wir also zu dritt in die Richtung, in welcher wir unsere Gruppe vermuten. Warum rennen die so? Fällt denn niemandem auf, dass wir fehlen? Weil es so schön ist, ergießt sich pro Quadratmeter der komplette Wasserbestand eines Swimmingpools über uns. Mensch, was bin ich dankbar für meine ausgelatschten Turnschuhe aus Stoff, die jeder andere auf keinen Fall mitgenommen hätte. Wenigstens der Regenponcho hält, was er verspricht. Was einem für Gedanken durch den Kopf schießen, sag ich euch! Von „das wars jetzt“ bis hin zu „dann finden wir den Machu Picchu eben alleine“ ist alles dabei. Wir irren noch etwa 20 Minuten umher, bis wir wieder auf unsere Gruppe aufschließen. Kurze Zeit später verziehen sich die tiefen Regenwolken und es wirkt, als sei nie etwas gewesen.

Szenenwechsel

Ich habe mich mittlerweile meines Regenponchos und langer Trekking-Hose entledigt und fluche, weil mir der Schweiß die Po-Rinne hinunterläuft. Kaum zu glauben, dass ich wenige Stunden zuvor meine Zehen kaum spüren konnte. So wechselhaft wie die Temperaturen sind auch die Landschaften: ein paar Meter weiter unten befinden wir uns plötzlich inmitten eines Cloud-Forest, von den Bergen mit den riesigen Gletschern keine Spur mehr.

Ploetzlich stehen wir im Cloud-Forest

Beim Abendessen herrscht dann eine viel ausgelassenere Stimmung als noch am Abend zuvor. Wir erzählen uns die besten Geschichten und spielen Karten. Unser Campspot am zweiten Abend ist weniger spektakulär, dafür aber auch nicht mehr so kalt wie der erste. Was aber nicht heißt, dass ich in dieser Nacht auch nur ansatzweise besser schlafe. Zur Feier des Tages gibt es eine eiskalte Dusche, die mich zum Schreien bringt. Ich habe ja schon öfter kalt geduscht. Aber DIESE, meine Damen und Herren, gepaart mit meiner Erkältung, ist der absolute Horror! Davon mal abgesehen finden die Mücken unser Zelt mindestens genauso schnuckelig wie wir.

Santa Teresa – Hot Springs

Pünktlich um 3 Uhr morgens werden wir wieder mit einem Coca Tea geweckt. Selber Ablauf, ich verfluche mein Leben, packe zusammen, frühstücke und ziehe gemeinsam mit Tobi und den Anderen erneut in den Kampf. Machu Picchu kommt schließlich nicht von alleine zu uns. Wir laufen an einem schier unendlichen Fluss entlang. Wenn man so lange unterwegs ist, dann nimmt man irgendwann nicht mehr viel wahr. Wir setzen stumpf ein Bein vors andere und lassen die Kilometer über uns ergehen, bis wir feststellen, dass ein Pärchen fehlt. Die Italienerin ist einen kleinen Abhang hinunter gestürzt und hat sich eine Wunde am Kopf zugezogen. Der Schock sitzt tief, es geht ihr aber gut. Umso erfreulicher für uns, dass wir unser Tagesziel schon am frühen Nachmittag erreichen. Den Abend lassen wir alle zusammen in den heißen Quellen von Colcampayo ausklingen. Ja, richtig gelesen.

Wer jetzt davon ausgeht, dass wir danach entspannt und wohlbehütet in unsere Betten – pardon, Zelte – fallen und schlafen, den muss ich auch dieses Mal leider enttäuschen. Es ist weder kalt, noch haben wir Mücken im Zelt. Eine zweite Gruppe, welche ebenfalls auf dem Weg nach Machu Picchu ist, muss am nächsten Morgen wohl nicht so früh weiterziehen und schmeißt stattdessen eine fette Party. Die Jungs schreien provozierend direkt vor unseren Zelten. Das geht so weit, dass es beinahe eskaliert. Der Italiener klettert schließlich wütend aus dem Zelt und stellt sie zur Rede. Weil die Jungs sich von ihm wenig beeindruckt zeigen und fröhlich weiter provozieren, beschließt auch Tobi, seine 1,96m nach draußen zu bewegen. Er muss nicht mal etwas sagen, allein der Respekt vor seiner Größe reicht aus, um dem ganzen ein Ende zu bereiten.

Aguas Calientes – das Tor zu Machu Picchu

Die letzten Kilometer bis Aguas Calientes ziehen sich wie Gummi. Es geht nochmal kräftig Berg hoch, sodass wir schon einen Blick auf Machu Picchu in der Ferne werfen können. Die gleichen Höhenmeter müssen wir anschließend wieder herunter. Einen Berg nach einer Wanderung mit müden Beinen hinunter zu gehen ist im Übrigen weitaus schwieriger, als nach oben. Die Knie schmerzen und ich bin dankbar für diese unheimlich erotischen Gehstöcke, die mich aussehen lassen wie meine Mathe-Lehrerin aus der Oberstufe.

Anschließend laufen wir eine ganze Weile durch das Urubambatal an den Schienen entlang, welche das letzte Dorf vor Machu Picchu mit der Außenwelt verbinden. In Aguas Calientes angekommen, traue ich meinen Augen kaum: für unsere letzte Nacht bekommen wir ein privates Zimmer in einem Hostel. Ein Bett! Ein richtiges Bett! Und was fast noch wichtiger ist: eine warme Dusche! An diese habe ich mich nämlich nach der ungewollten Antarktis-Expeditions-Dusche nicht mehr ran getraut.

Die letzte Etappe

Wann wir am frühen Morgen zum Machu Picchu aufbrechen, ist uns selbst überlassen. Um fünf Uhr reißt uns der Wecker noch ein letztes Mal aus dem Schlaf. Eine letzte Etappe steht uns noch bevor: der Aufstieg zum Machu Picchu. Man kann von Aquas Calientes mit dem Bus nach oben fahren, wir entscheiden uns aber dagegen. Wenn wir schon so weit gekommen sind, müssen wir uns das letzte Stück nun auch noch quälen. So stehen wir pünktlich um sechs Uhr morgens am ersten Checkpoint. Unser neuer amerikanischer Freund Gabe begleitet uns. Zugegeben bin ich zeitweise ziemlich neidisch auf die Menschen, welche in Bussen an uns vorbeifahren. Nach einer so langen Strecke, nächtelangem wach-seins und einer Erkältung des Grauens fühlt es sich wirklich an, als bezwinge man gerade den Endgegner. Gabe jedoch ist so schnell, dass seine Schritte schon nach wenigen Stufen nicht mehr zu hören sind. Der muss haufenweise Kaffee in sich reingeschüttet haben, anders kann ich mir das nicht erklären.

Nach 45 Minuten Treppensteigen ist es dann endlich so weit. Als wir oben ankommen fällt alles von mir ab. Meine Beine schmerzen, meine Lunge weint, aber das stört mich nicht. Ich habe es geschafft. Machu Picchu, das verlassene Dorf der Inka, zeigt sich von seiner schönsten Seite. Hinter mir liegen 74 Kilometer und jede Menge Nerven. Wir treffen auf die anderen der Gruppe und machen ein legendäres Foto. Es ist der Moment, in dem ich merke, wie sehr wir doch alle zusammengewachsen sind. Waren wir vor fünf Tagen doch nur ein Haufen fremder Menschen, die sich nichts zu sagen hatten, so waren wir jetzt eine eingeschweißte Truppe, welche sich einfach nur freut, es geschafft zu haben. Wir setzen uns auf eine Wiese und lauschen Zucemos Worten, der uns noch einiges zur Geschichte erzählt. Danach verabschieden wir uns von ihm. Für ihn ist die Tour jetzt vorbei, er wird nicht mit uns zurück nach Cusco kommen. Wir bekommen etwas Zeit, Machu Picchu alleine zu erkunden, bevor wir uns ebenfalls auf den Weg zurück machen müssen.

Das Geheimnis von Machu Picchu

Die alten Ruinen von Machu Picchu stehen seit vielen Jahren leer. Aus welchem Grund die Stadt damals verlassen wurde, ist ebenso wie ihr Sinn und Zweck bis heute unklar. Die Geschichte dieser Ruinen wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Fakt ist jedoch, dass die Inka mit Machu Picchu damals schon eine voll funktionsfähige Stadt erbauten: hoch oben gelegen, abgeschieden von der Außenwelt und nur über einen schmalen Pfad erreichbar gab es dennoch eine Wasserversorgung und die Terrassen zum Anbau von Lebensmitteln sind heute noch gut zu erkennen. Heute grasen Alpakas und Lamas darauf. Machu Picchu ist seit 1983 Teil des UNESCO Weltkulturerbes und ist eines der sieben Weltwunder.

Fazit Salkantay Trek nach Machu Picchu

Der Salkantay Trek zählt laut National Geographic zu den 25 besten Wanderungen der Welt, und das kann ich nur bestätigen. Tobi und ich sind losgezogen, um mit dem Salkantay Trek nach Machu Picchu ein Abenteuer zu erleben. Am Ende war es das größte Abenteuer meines Lebens. Mehr muss ich gar nicht dazu sagen.

Kosten: ca. 180 Euro pro Person bei Machu Picchu Reservations, inklusive allen Übernachtungen, volle Verpflegung und Eintritt zu Machu Picchu

1 comment

  • Salkantay Trek - 74 kilometer zufuss nach Machu Picchu
    3. Oktober 2020 at 11:20

    […] Du möchtest wissen wie es weiter geht? Dann lese jetzt den zweiten Teil! […]

Add new comment

HI, ICH BIN JESS!

das Gesicht hinter freigereist

Seit Oktober 2017 in der Welt zu Hause. Ich berichte auf diesem Reiseblog über meine ganz persönlichen Erfahrungen, was mich bewegt und gebe dir Tipps für deine eigene Planung. Emotional und echt – stets mit dem Herzen auf der Zunge. Ich freue mich, dass du hier bist.

VERPASSE NICHTS!

Gib deine Emailadresse ein, um keine Beiträge mehr zu verpassen.

Loading

NEU AUF AIRBNB?

30 Euro Airbnb Startguthaben geschenkt!*