Cape Le Grand National Park: Offroad Abenteuer mit Folgen

Der Cape Le Grand National Park liegt etwa 60 km östlich von Esperance und zählt zu den Beliebtesten und Schönsten Parks in der Region. Dieser Park ist ein absolutes Muss, wenn man nach Esperance fährt. Hier findet sich eine Küstenlandschaft mit atemberaubenden Buchten, Granitfelsen und traumhaften weißen Stränden. Vor allem aber befindet sich hier mit der Lucky Bay einer der ikonischsten Strände überhaupt. Es gibt nicht viele Orte in Australien, an denen man Kängurus beim Sonnenbaden am Strand beobachten kann, aber hier ist das – mit etwas Glück – durchaus möglich.

In diesem Artikel nehme ich dich mit in einen der schönsten Nationalparks Australiens und erzähle, wie wir nur knapp einer Katastrophe entgangen sind.

Wie alles begann

Auf unserem Campingplatz in Esperance lernen wir Paul kennen. Mit seinem auffälligen roten Jeep ist er uns schon in der Nullarbor ins Auge gestochen, als er für ein Foto am Schild zur Nullarbor Plain posiert hatte. Da wir vor haben, einige Strandabschnitte und Offroad-Strecken im nahegelegenen Cape Le Grand National Park zu befahren, und er offensichtlich den gleichen Plan verfolgt, schließen wir uns kurzerhand zusammen. Schließlich sollte man solche Abenteuer abseits der Straße nie alleine wagen und Tobi war zuvor noch nie so wirklich offroad unterwegs. Einen waschechten Australier mit Erfahrung an seiner Seite zu haben ist sicher keine schlechte Idee. Dass jedoch ausgerechnet er derjenige sein wird, der im Verlauf des Trips auf unsere Hilfe angewiesen sein würde, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dazu aber später mehr.

Wylie Head Beach

Wie schon im Artikel zu Esperance beschrieben, ist der Wylie Head Beach ein Ort, den ich schon lange auf meiner Liste hatte. Eine Vielzahl von Reisemagazinen wirbt mit ikonischen Bildern der Sandbank, die wie ein schmaler Weg vom Strand zu einer Felsinsel führt. Zu meinem Glück liegt dieser für uns direkt auf dem Weg, sodass wir dort unseren ersten Halt machen. 

Der Wylie Head Beach ist vor allem bei Offroadern beliebt, weil man ihn direkt mit dem Auto befahren kann. Trotzdem ist er weniger überlaufen als die anderen Strände von Esperance. Wer kein 4WD-Fahrzeug hat, kann Wylie Head auch über einen kurzen Fußweg vom Parkplatz erreichen.

Wylie Head Beach in Esperance per Drohne aufgenommen

Dort wartet auch schon die erste Offroad-Probe auf mich, denn auf der Landseite der Bucht befindet sich ein großer Granithügel. Und wie soll es auch anders sein, kommen Paul und Tobi auf die geniale Idee, diesen mit dem Auto zu befahren. Warum zur Hölle? Für meinen Geschmack ist er viel zu steil und zu glatt, aber egal was ich sage, ich kann die beiden nicht davon abhalten, ihrem Drang nach Adrenalin zu folgen. Mir bleibt also nichts weiter übrig, als mit Herzrasen dabei zuzusehen, wie Paul seinen Jeep mit quietschenden Reifen vorausfährt, und Tobi ihm schließlich folgt. Immerhin darf ich mit der Ausrede, das ganze in Fotos festzuhalten, außerhalb des Fahrzeugs bleiben. Zugegebenermaßen sah es am Ende schlimmer aus, als es tatsächlich war, und die Fotos wurden grandios. Ich kleine Schisserin.

Paul und Tobi offroad am Wylie Beach Rock

Vom Wylie Head Beach fahren wir direkt über den Strand Richtung Osten in den Cape Le Grand Nationalpark weiter.

Cape Le Grand National Park

Anfahrt

Man erreicht den Park in etwa 45 Minuten über die Merivale Rd mit dem Auto – oder, wenn man so wie wir einen Geländewagen mit 4×4 Offroad Funktion hat, direkt über den 22 km langen Strand von Esperance. Aber Achtung: Unbedingt vorher die Gezeiten checken! Zum Beispiel auf willywheater.

Cape Le Grand Nationalpark liegt 700 km von Perth entfernt

Kosten

Die Zufahrt zum National Park kostet 17 AUD pro Fahrzeug und Tag.

Da wir auf unserem Australien Roadtrip vorhatten, noch weitere Parks in Western Australia zu besuchen, haben wir uns im Infocenter in Esperance einen Park Pass besorgt. Damit sind viele Eintritte in die bekanntesten National Parks des Bundesstaates bereits abgedeckt.

Es gibt den Holiday Park Pass (4 Wochen, 14 tage oder 5 Tage), oder den Annual All Parks Pass, der für ein gesamtes Jahr gültig ist.

Man kann die Pässe entweder online oder vor Ort in einem Info Center erwerben. Der Pass muss ausgedruckt und sichtbar in der Windschutzscheibe platziert werden.

Sehenswertes im Cape Le Grand National Park

Hellfire Bay

Unser erster Stopp im Cape Le Grand National Park ist die Hellfire Bay, denn wir brauchen dringend eine kleine Abkühlung. Das gleiche dachten sich wohl auch alle anderen Besucher des Parks, denn der Parkplatz platzt aus allen Nähten, als wir ankommen. Das muss am schönen Wetter liegen, denn bei meinem Besuch 2018 hatte ich die Bay ganz für mich allein. Jetzt aber sprudelt der australische Sommer-Vibe förmlich aus ihr heraus: Würstchen und Burger Patties brutzeln auf den BBQ-Platten, Kinder schnorcheln im türkisblauen Wasser, während die Eltern auf ihren Decken am weißen Strand sonnenbaden. Für mich ist die Hellfire Bay nach wie vor der schönste Strand im Cape Le Grand National Park. Über eine lange Treppe kommt man zum Wasser, und es gibt einen großen begehbaren Granitfelsen, der die Bucht von seiner kleinen Schwester »Little Hellfire Bay« trennt.

Thistle Cove

Etwas ruhiger geht es an der Thistle Cove zu. Ebenfalls eine wunderschöne Bucht mit spektakulärem Blick auf die Küste. Und wenn der Wind richtig steht, gibt es hier eine Besonderheit, die gleichzeitig auch Namensgeber der Bucht ist: Ein pfeifender Felsen.

Thistle Cove im Cape Le Grand National Park

Lucky Bay

Viele zieht es einzig und allein nur für die Lucky Bay in den Cape Le Grand National Park. Bei gutem Wetter und ruhigem Meer ist der Anblick der Bucht ein wahres Juwel in Australien. Mit Sand, der so fein und weich ist, dass er unter den Füßen quietscht, und türkisblauem, paradiesisch-leuchtenden Wasser.

Ausblick auf die Lucky Bay vom Parkplatz

Dazu kommen die berühmten Kängurus von Lucky Bay. Sie stehen regelmäßig Model für sämtliche Werbeprospekte, Reisemagazine und Instagram-Posts, die jemals über Westaustralien veröffentlicht wurden. Wenn du schonmal ein Foto von einem Känguru am Strand gesehen hast, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses hier entstanden ist. Bei meinem ersten Besuch 2018 sind davon einige in der Lucky Bay herumgehüpft. Heute trifft man sie wohl seltener an. Wir hatten dieses mal leider auch kein Glück, obwohl wir jeweils sogar zwei mal (auf dem Hin- und Rückweg) dort gehalten haben.

Wahrscheinlich ist die Chance höher, wenn man auf dem Campingplatz übernachtet. Der ist wirklich grandios und hat eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht. Aber um dort einen Spot zu bekommen, muss man, wie der Name schon sagt, wirklich lucky sein. Denn die sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Weder 2018 noch bei diesem Besuch haben wir einen Spot bekommen.

Jess in der Lucky Bay

Offroad am Rossiter Beach

Über die Lucky Bay Rd geht es etwas Inland über eine unbefestigte Schotterpiste durch den Park, bis wir den Rossiter Beach erreichen. Hier heißt es wieder Luft von den Reifen ablassen, denn es geht erneut auf den Strand. Ich bin mal wieder maximal nervös. Zwar ist der Umschwung zwischen Ebbe und Flut gerade erst gewesen, aber der ansteigende Meeresspiegel sorgt dennoch dafür, dass wir uns etwas beeilen müssen. Schon 2018 habe ich bei unserem Offroad-Abenteuer auf Fraser Island gesehen, was passiert, wenn Fahrzeuge von den Fluten erfasst werden und stecken bleiben. Damals war es eine Gruppe französischer Backpacker, die ihre Fahrskills etwas unterschätzt hatten. Nicht nur, dass ihr Auto nach der Aktion reif für den Schrottplatz war, sie mussten für die Umweltverschmutzung auch noch eine enorme Geldstrafe zahlen.

Offroad am Strand entlang fahren
Tobi im Auto

Wenn das Schlimmste wahr wird: ein Rennen gegen die Zeit

Auch wenn ich mich immer noch nicht wirklich wohl damit fühle, abseits von befestigten Straßen unterwegs zu sein, beruhigt es mich, Pauls roten Jeep im Rückspiegel zu sehen. Doch dann passiert genau das, wovor ich mich schon die ganze Zeit gefürchtet habe. Es ist ausgerechnet Paul, der auf halber Strecke plötzlich stecken bleibt. Die Reifen seines Autos vergraben sich im Sand, es geht weder vor- noch zurück. Er hatte für diese sehr weiche Stelle zu wenig Schwung. Und als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, steht er ausgerechnet an der schmalsten Stelle des Strandabschnitts, das ansteigende Wasser nur wenige Meter entfernt.

Wir stellen unser Auto an einer sicheren Stelle ab und eilen zur Hilfe. Der Jeep steckt bis zum Fahrzeugboden im Sand und mittlerweile sieht auch Paul längst nicht mehr so entspannt aus. Wieder einmal mehr zeigt mir das, egal wie viel Erfahrung man im Offroad-Fahren hat. Es birgt immer Gefahren für jedermann, jederzeit. Mit etwas Unachtsamkeit kann man selbst im harmlosesten nassen oder trockenen Sand leicht steckenbleiben. Mit Schaufeln und Handkraft versuchen wir gemeinsam, das Auto zu befreien, während das Wasser immer näher kommt. Ein Rennen gegen die (Ge-)Zeit, wahrsten Sinne des Wortes. Zu unserem Glück kommt nach kurzer Zeit ein weiteres Backpacker Pärchen vorbei, die uns beim ausgraben helfen. Sie sind 24h vorher ebenfalls steckengeblieben und haben gegen den steigenden Wasserpegel gebuddelt. Nach rund 20 Minuten haben wir es schließlich geschafft, und Pauls Auto setzt sich, dank vorhandener Sandbleche / Recovery Boards, in Bewegung. Gerade noch rechtzeitig, das Meer nur noch einen Meter von uns entfernt.

Dunn Rocks

Vorsichtig, aber zügig und ohne weitere Vorkommnisse macht sich unsere Dreier-Kolonne wieder auf den Weg, bis wir am Ende des Strandes schließlich unseren kostenlosen Schlafplatz für die Nacht erreichen. Zwischen den Dünen versteckt sich ein idyllischer, ruhiger Campingspot mit einem kleinen Plumpsklo. Lange zusammensitzen können wir an diesem Abend allerdings nicht, denn schon kurze Zeit später zieht ein heftiger Sturm auf, der uns wie schon in den Flinders Ranges die ganze Nacht begleiten wird.

Campen im Cape Le Grand National Park zwischen den Dünen

Doch der Sturm hat auch seine Vorteile, denn dadurch ist der Rossiter Beach am nächsten morgen etwas fester und besser befahrbar. Gut für meine Nerven, denn wir mussten diese Route erneut nehmen für die nächste Attraktion im Park.

Frenchman Peak

Zum Abschluss unseres Cape Le Grand Abenteuers steht noch etwas Bewegung auf dem Programm: Die Besteigung des Frenchman Peak. Dieser ist mit 262 Metern zwar nicht unbedingt hoch, aber dennoch schon von weitem aus jeder Richtung sichtbar. Man kann ihn quasi gar nicht verpassen.

Wanderung auf den Frenchman Peak

Auch wenn er von unten recht unspektakulär aussehen mag, lohnt sich eine Besteigung auf jeden Fall und ist gar nicht mal so ohne. Schon nach wenigen Metern führt der Wanderweg eine glatte Steinwand hinauf, an der sich bereits viele nicht mehr weiter trauen. War es für mich 2018 noch ein Leichtes gewesen, zittern knapp 7 Jahre später meine Knie doch ganz schön, und ich frage mich zeitweise, wie ich es im Anschluss je wieder runterschaffen soll. Trotzdem folge ich den Markierungen immer weiter hinauf, bis wir eine Höhle erreichen, die wir zu unserem Glück lediglich mit ein paar Kakadus teilen müssen. 2018 dachte ich, dass die Höhle das Ende des Weges wäre, aber er führt tatsächlich noch ein Stück höher, und das sollte man unbedingt machen! Am Gipfel wird man schließlich mit einer 360-Grad-Aussicht über den gesamten Cape Le Grand National Park belohnt.

Ausblick vom Frenchman Peak auf den Cape Le Grand Nationalpark bei Esperance

Übrigens: Der Aboriginal Name des Berges ist Mandooboornup. Er wurde 1870 von Alexander Forrest während einer Expedition auf der Suche nach geeignetem Weideland umbenannt. Der Name erklärt sich aus der Form des Gipfels, da er der Meinung war, dass dieser den Hüten ähnelte, die französische Truppen im 19. Jahrhundert trugen.

Cape Le Grand Coastal Trail

Zwar sind wir den Cape Le Grand Coastal Trail selbst nicht gewandert, aber ich möchte ihn an dieser Stelle trotzdem einmal erwähnt haben. Der ca. 15 Kilometer lange Küstenwanderweg verbindet alle oben genannten Buchten und Strände des Parks und ist sicher eine coole Abwechslung für alle, die gerne wandern. Weitere Infos zum Trail und den einzelnen Distanzen findest du hier.

Wie viel Zeit sollte man für den Cape Le Grand National Park einplanen?

Im Cape Le Grand National Park kann man gar nicht lange genug bleiben! Ich empfehle mindestens drei Tage, um sich alles in Ruhe anzusehen. Eine Übernachtung direkt im Park ist sehr empfehlenswert. Wir haben zwei Nächte in Esperance und eine Nacht im Park verbracht und hätten gut und gerne noch etwas länger bleiben können.

Weitere Artikel

Du hast noch etwas mehr Zeit und möchtest gerne mehr in der Region entdecken? In diesem Artikel habe ich alle Highlights rund um Esperance aufgeschrieben.

Falls dein nächstes Abenteuer durch die Nullarbor Region geht, findest du hier meinen ausführlichen Erfahrungsbericht zum Nullarbor Crossing.

Alle weiteren Artikel zu Australien findest du hier.

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