Lautlos gleitet das Kanu durch den kleinen Kanal, vorbei an Palmen und Seerosen. Einzig das Plätschern des Paddels und das leise Summen unseres Guides Jakob füllt die Stille um uns herum. Mit den Klängen indischer Lieder führt er uns in seinem Kanu durch seine geliebte Heimat, die Backwaters von Allepey.
Die Allepey Backwaters – Kurz und Knapp
Allepey (oder auch offiziell Alappuzha genannt) befindet sich etwa 60 Kilometer südlich von Kochi und ist sozusagen das Tor zu den Backwaters. Manche nennen Allepey auch das „Venedig des Ostens“, denn die vielen großen und kleinen Kanäle, Lagunen und Strände sind die Lebensader der Region. Während der Erntezeit (zwischen Juli und September) finden in Allepey zahlreiche Bootsrennen statt.

Welche Allepey Backwater Tour ist die beste?
Eine der wohl bekanntesten Aktivitäten ist die Allepey Backwater Tour. Für uns steht schnell fest: Wir wollen so eine Tour unbedingt machen. Vor allem wollen wir aber sicherstellen, dass unser Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird. Bei unserer Recherche stoßen wir auf verschiedene Optionen
Tagestour von Kochi
Zahlreiche Anbieter und Unterkünfte bieten Halb- oder Ganztagestouren zu den Backwaters direkt von Kochi an. Hier fährt man allerdings aufgrund von Zeitmangel nur in die nördlichen Kanäle und ist oft in großen Gruppen und Booten unterwegs. Die wirklich authentischen und kleinen Kanäle sieht man mit solch einer Tour eher nicht.
Die Allepey Backwaters per Hausboot entdecken
Allepey ist bekannt für die riesigen Hausboote auf den Backwaters. Auch wir haben auf unserer Tour jede Menge davon auf den großen und breiten Kanälen gesehen. Unser erster Gedanke bei diesem Anblick der unzähligen Hausboote war jedoch, dass es wohl etwas außer Kontrolle geraten ist. Der einzige Vorteil, den ich darin sehen würde: Man kann darin übernachten. Sicherlich eine etwa andere Erfahrung, aber auch hier ist man auf das große Gewässer beschränkt und bekommt vom Leben am Ufer nicht unbedingt etwas mit.

Eine Tour mit dem Motorboot
Es gibt auch die Möglichkeit, in kleineren Motorbooten in mittelgroßen geführten Gruppen (je nach Größe 8-20 Leute) durch das Backwater zu fahren. Hier kommt man zwar schon in etwas kleinere Kanäle, verscheucht aber durch den lauten Motor alle Tiere am und auf dem Wasser. Da viele der Dörfer allerdings auch durch Brücken miteinander verbunden sind, die ziemlich tief sind, kommt man auch mit dem Motorboot nicht in den Genuss, die kleinen Dörfer zu entdecken.
Die nachhaltige Alternative: Mit dem Kanu durch die Backwaters von Allepey
Eine weitaus nachhaltigere und angenehmere Variante ist eine Kanutour durch die Backwaters. Hier wird man in kleinen Gruppen (2-4 Leute) auf einem Kanu durch die kleinen Kanäle geführt und kann das Leben in den Dörfern am Ufer beobachten. Besonders cool: Man kann die Tour in aller Stille genießen und nicht nur die Menschen, sondern auch das Wildlife beobachten, da es keinen Motorantrieb gibt, der die Tiere vertreibt.
Als wir die oben genannten Optionen durchgehen, steht schnell für uns fest, dass wir Letzteres wollen. In der Hoffnung, auch eine nachhaltige Tour zu finden, machen wir uns schließlich auf eigene Faust auf den Weg von Kochi nach Allepey, um direkt vor Ort nach einem Anbieter zu suchen.

Mit dem Bus von Kochi nach Allepey
Kurze Zeit später sitzen wir im Bus von Kochi nach Allepey. Für die insgesamt 60 Kilometer lange Strecke brauchen wir etwa drei Stunden, die es in sich haben. Die Busfahrt ist so aufregend, dass ich darüber einen eigenen Artikel geschrieben habe, den du hier findest.

Unterkunft in Allepey
Ein TukTuk, im Südindien allerdings auch „Auto“ genannt, bringt uns schließlich von der Bushaltestelle zu unserer Unterkunft. Das JeeHaa BnB liegt direkt am Strand und wurde erst vor kurzem von einem jungen Paar eröffnet. Wir bekommen ein einfaches Zimmer mit Klimaanlage und eine Empfehlung zum Mittagessen bei einem Freund, wo uns die beiden begleiten.

Hier probieren wir zum ersten Mal Sadhya. Das ist ein traditionelles Gericht aus Kerala, welches aus einer Vielzahl kleiner vegetarischer Currys besteht, die zusammen mit Reis auf einem Bananenblatt serviert werden. Wir bekommen eine kleinere Variante, dürfen aber genauso wie die Einheimischen mit der Hand essen. Es ist zunächst etwas ungewohnt, aber für das erste Mal ohne Besteck stelle ich mich gar nicht so doof an. Im späteren Verlauf der Reise werde ich lernen, warum die Inder auf Gabel und Besteck verzichten: Man soll das Essen mit allen Sinnen wahrnehmen, also auch per Tastsinn.

Allepey Backwater Tour – Erfahrungsbericht
Wir fragen unsere Gastgeber, ob sie uns eine Backwater Tour empfehlen können. Wir haben Glück, tatsächlich haben sie einen Freund, der in den Backwaters lebt und ein Kanu besitzt. Und so organisieren sie uns kurzerhand für den nächsten Tag eine Privattour. Diesen Tipp kann ich generell mitgeben: Frage für lokale Touren am besten immer zuerst bei deiner Unterkunft nach (solange du nicht in einem großen Resort unterkommst). Denn oft gibt es jemanden, der jemanden kennt usw., und die Preise sind meist günstiger als bei externen Touranbietern.
Wir werden gleich am nächsten Morgen mit einem TukTuk zum Pier von Allepey gebracht, wo schon ein Mann uns wartet. Er stellt sich kurz vor, aber sein Name ist so unverständlich, dass ich ihn sofort wieder vergesse. Deshalb nenne ich ihn jetzt einfach mal Radu. Per Fähre geht es dann über die großen Gewässer des Backwaters. Wir fahren an großen Hausbooten vorbei, und ich stelle fest, dass auf dem Gewässer das gleiche Chaossystem wie im Straßenverkehr gilt. Der größere hat Vorrang, und wenn du kleiner bist, quetscht du dich dazwischen.
Nach circa einer Stunde steigen wir von der Fähre und werden zu Radu nach Hause geführt. Wir setzen uns in seinen Vorgarten und bekommen ein indisches Frühstück und Chai serviert. Ganz alleine sind wir dann aber doch nicht: Ein Inder aus dem Bundesstaat Tamil Nadu hat sich unserer Runde angeschlossen und isst ebenfalls mit uns zum Frühstück.
Leben am Ufer der Allepey Backwaters
Dann lernen wir Jakob kennen, unseren Guide für die Allepey Backwater Tour. Er spricht kein gutes Englisch, aber im Gegensatz zu Radu versucht er immerhin mit uns zu kommunizieren.
Er führt uns zunächst zu Fuß am Wasser entlang zu den kleineren Kanälen, vorbei an Ziegen, die im Wasser gewaschen werden, und alten Frauen in schönen Kleidern, die mit selbstgebastelten Angelrouten versuchen zu fischen.

»Lauft hier entlang, ich komme nach«, erklärt Jakob. Dann verschwindet er über eine Brücke auf die andere Seite des Kanals und kommt mit einem Paddelboot zurück. Von nun an geht die Tour auf dem Wasser weiter. Wir überqueren zunächst einen der großen Kanäle und biegen dann in einen Nebenarm ab, wo buntes Treiben am Ufer herrscht. Schnell wird sichtbar: In den Allepey Backwaters wird nicht nur am Wasser gelebt, sondern mit dem Wasser. Es ist ein elementarer Bestandteil des Alltags.

Eine Frau hat gerade Kleidung gewaschen und schleudert mit rotierenden Schlägen auf die Steinmauer das überflüssige Wasser aus der Wäsche. Gegenüber von ihr sitzt ein Mädchen, dass sich mit einer Zahnbürste die Füße wäscht. Ein andere Frau nimmt einen Fisch auseinander, den sie eben gefangen hat. Neben ihr warten zwei hungrige Katzen darauf, dass etwas für sie übrig bleibt.



Etwas weiter hinten im Kanal wird es ruhiger. Zwei Gänse beobachten uns neugierig vom Ufer aus. Wir finden unseren ersten Kingfisher. Ein wunderschöner blauer Vogel mit langem Schnabel, der auf einem Boot sitzt. Wir sind mit unserem Kanu so leise, dass wir uns ganz nah heranpirschen können, um Fotos zu machen.


Dann hupt es hinter uns. Ein Mann mit einem motorisierten Kanu fährt an uns vorbei. Ein Fischverkäufer, wie uns Jakob erklärt. Tatsächlich, so erzählt er uns, gibt es in den Backwaters sogar Dörfer, in welchen es keine Straßen gibt. Hier wird alles per Boot geregelt, auch der Verkauf von Lebensmitteln. Wie abgeschieden die Menschen hier tatsächlich leben, wird mir klar, als wir einen Wasser-Automaten passieren. Ich meine, wow?


Dann verlassen wir den kleinen Kanal und kreuzen ein größeres Gewässer. »Hier ist eine Schule.« Jakob zeigt auf ein großes Gebäude am Ufer. »Wir haben eine Schulpflicht im Bundesstaat Kerala. Alle Kinder kommen mit dem Schulboot«. Ich fühle mich ein wenig an unsere Zeit am Amazonas zurückerinnert, wo die Kinder ebenfalls per Boot in die Schule fahren.

Kommunikation ohne Worte
Ansonsten ist es die meiste Zeit still auf dem Wasser, bis Jakob leise anfängt zu singen. Die Informationen, mit denen er uns unterwegs in englischer Sprache versorgt, scheint er auswendig gelernt zu haben, denn unsere Rückfragen versteht er nicht. Irgendwann bemerken wir, dass Jakob Müll aus dem Wasser fischt und in sein Boot legt. Wir beschließen, es ihm gleich zu tun, und als er das sieht, lenkt er das Kanu absichtlich zum schwimmenden Müll, damit wir es rausfischen können. Vielleicht sprechen wir nicht die gleiche Sprache, aber diese Kommunikation verstehen wir alle.

Irgendwann ist es Zeit für eine Pause. Wir stellen das Kanu ab und laufen ein Stück am Ufer entlang. Hier erzählt uns Jakob, dass er zwei Kinder hat. Eine Tochter und einen Sohn, die, und darauf ist er sehr stolz, beide Lehramt studieren. Er selbst bezeichnet sich im Laufe der Tour immer wieder als ungebildeten Arbeiter, weil er nur wenig englisch sprechen kann. Das versetzt mir einen Stich ins Herz. Dieser Mensch fischt Müll aus Flüssen und spricht mit stolz über seine Kinder. Damit ist er so vielen Menschen einiges voraus. Das hätte ich ihm wirklich gerne gesagt, wäre die Sprachbarriere nur nicht so groß.

Nach ganzen 3,5 Stunden auf dem Wasser bringt uns Jakob schließlich zurück in den Vorgarten von Radu, wo ein Mittagessen auf uns wartet. Es gibt verschiedene Currys mit Reis. Danach heißt es Abschied nehmen, und Jakob begleitet uns noch ein kleines Stück zurück zum Bootsanleger, wo wir am Morgen angekommen sind.

Was kostet die Allepey Backwater Tour mit dem Kanu?
Wir haben für die rund 6 Stündige Tour 1000 INR (ca. 10 €) pro Person gezahlt, zuzüglich Trinkgeld für Jakob. Darin enthalten waren die Fährtickets für Hin- und Rückfahrt, Frühstück und Mittagessen sowie 3,5h mit Jakob auf dem Wasser. Einzig das TukTuk von der Unterkunft zum Bootsanleger (250 INR) war nicht im Preis inbegriffen.

Fazit Allepey Backwater Tour
Ich bin froh, dass wir diese kleine Allepey Backwater Tour mit dem Kanu gefunden haben. Natürlich hätte ich mir ein bisschen mehr Interaktion gewünscht, aber trotz Sprachbarriere hätte ich mir keinen besseren Guide vorstellen können als Jakob. Denn gerade das macht das Erlebnis doch irgendwie authentisch. Ich kann nur empfehlen, eine Tour mit einem unmotorisierten Kanu zu machen, da man so das Leben am und mit dem Wasser am besten beobachten kann, die Menschen und Tiere am Ufer nicht stört und der Umwelt etwas gutes tut.
Vlog
Von unserer Zeit in Kochi und Allepey inklusive Backwater Tour gibt es auch einen Vlog auf Youtube. Viel Spaß beim ansehen!