SOUTH AUSTRALIA: VON ADELAIDE, KRANKENHAUS UND ZWIEBELN IM KOFFERRAUM

Die Sonne steht bereits tief, als wir nach South Australia fahren. Wir schlagen in einem Freecamp direkt hinter der Grenze unser Nachtlager auf und legen uns schlafen. Vor uns liegt eine wahre Geduldsprobe – aber davon ahnen wir noch nichts. Viel mehr freuen wir uns auf Das, was kommen wird: die Orte und Dinge, die wir noch nie gesehen haben.

Das Umpherson Sinkhole in Mount Gambier

Unser erster Stopp in South Australia soll in Mount Gambier sein. Dort gibt es den „Blue Lake“, der aufgrund von Kalkgestein unter besonderen Bedingungen unnatürlich Blau erscheint. Diese „besonderen Bedingungen“ herrschen wohl zurzeit nicht. Wir sehen nur einen ganz normalen, dunkelblau schimmernden See und fahren weiter zum bekannten Umpherson Sinkhole. Auch hier hat Kalkgestein für ein faszinierendes Naturschauspiel gesorgt. Die Erde ist an diesem Punkt einfach eingesackt und hat ein Loch hinterlassen, aus dem die Locals einen wunderschönen Garten gezaubert haben. Man nennt es auch „den versunkenen Garten“.

Umpherson Sinkhole
Das Umpherson Sinkhole

Unseren nächsten Halt machen wir in Robe. Die kleine Stadt direkt am Meer wurde uns von vielen Menschen empfohlen, die wir auf unserer Reise getroffen haben. Malerisch schön soll sie sein. Wir fahren zum Obelisk und essen Tomatensuppe zum Mittag. Weil der Wind nicht besonders stark ist beschließen wir, zum ersten Mal auf unserem Roadtrip die Drohne auszupacken.

Obelisk aus der Vogelperspektive
Der Obelisk in Robe aus der Vogelperspektive
Ein See in zartem Rosa

Auf dem weiteren Weg Richtung Adelaide passiert lange Zeit nichts Spannendes. Wir halten kurz an einem auf Wikicamps ausgeschriebenem Pink Lake. Erst sind wir enttäuscht, weil er von Weitem auf den ersten Blick nicht wirklich Besonders erscheint. Als wir aber näher ran kommen, beginnt das Wasser tatsächlich in einem wunderschön zartem Rosa zu schimmern. Ist also alles nur eine Frage der Perspektive.

Der See schimmert wirklich so Rosa
Der See schimmert wirklich so Rosa
Ankunft in Adelaide

Wir stellen unser Auto ab und laufen geradewegs zu Hay’s Chocolate-Factory. Dort gibt es täglich kostenlose Führungen durch die Fabrik – mit kleiner Verkostung. Weil wir bei Ankunft allerdings erfahren, dass man sich schon im Vorraus hätte anmelden müssen, belassen wir es bei einem kostenlosen Kaffee und kaufen zusätzlich noch eine Tafel weiße Schokolade mit Himbeeren. Dabei wollten wir doch kein unnützes Geld ausgeben!

Mit der Schoki im Gepäck fahren wir mit der freien Straßenbahn (da könnte sich Deutschland ruhig mal eine Scheibe von abschneiden) zum Central Market in die Stadt. Jeden Sonntag kann man hier frische Lebensmittel und andere Schnackereien von über 250 Ständen kaufen. Auch wenn die Verlockung sehr groß ist, schaffen wir es dieses Mal, dem Konsumwahn zu wiederstehen.

Das Schild des Central Markets
Der Central Market findet jeden Sonntag statt.
Statelibrary in Adelaide

Die Statsbibliothek in Adelaide ist nicht einfach nur irgendeine Bibliothek. Sie soll als eine der schönsten Libraries der Welt gelten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und stolzieren kurzerhand durch den Vordereingang hinein. Ganz im Ernst – wenn du dich einmal so richtig verlaufen möchtest – dann nutze diesen Eingang. Wir laufen vorbei an sämtlichen Ausstellungen, Konferrenzräumen, Toiletten, Bücherregalen… Und müssen letztendlich nach dem Weg fragen. IN EINER BIBLIOTHEK. Für faule Menschen gibt es einen Nebeneingang, der direkt zum Ziel fühlt.

Aber der Spaziergang durch das Labyrinth lohnt sich. Wir finden uns inmitten einer Harry-Potter Kulisse wieder. Es riecht nach alten Büchern, aber keinesfalls schlecht – eher so vertraut wie bei Oma zuhause. Das Licht ist schwach, es ist still. Die Uhr tickt leise an der Wand. Es wirkt fast so, als würde das Holz im Raum leben. Wir fühlen uns ein bisschen verzaubert.

Innenraum der Statelibrary of Adelaide
Die Bibliothek hat etwas magisches

Da es in Adelaide selbst keine kostenlose Schlafmöglichkeiten gibt, fahren wir gegen Nachmittag weiter. Wir finden einen Campingplatz direkt am Wasser und sind vom Sonnenuntergang begeistert. Zeit auch für Jessy das erste Mal mit der Drohne zu fliegen.

Sonnenuntergänge am Strand sind ein absolut toller Moment
Der Strand wirkt von oben gleich ganz anders, oder?
Wenn dann doch alles anders kommt

Generell haben wir – was Campingplätze angeht – in South Australia ein gutes Händchen. Allerdings soll das Glück nicht lange andauern. Als wir auf der Strecke zwischen Streaky Bay und Ceduna auf einem weiteren Campingground übernachten, geht es Peter zunehmend schlechter. Sein Zustand verschlimmert sich so sehr, dass wir beschließen, für die nächste Nacht in Ceduna ein Zimmer zu mieten. Als wir letztendlich doch das Krankenhaus aufsuchen, misst der Arzt zusätzlich Fieber und gibt uns eine eindeutige Anweisung. Peter ist zu krank, um weiter zu reisen. Gerade weil die Strecke hinter Ceduna eine wahre Geduldsprobe ist. Er verschreibt ihm ein Antibiotikum, womit es ihm schon am nächsten Morgen weitaus besser geht.

Ganz hoch anrechnen wollen wir hier auf jeden Fall die super nette Hilfsbereitschaft aller Ärzte und Schwestern, die für all die Untersuchungen und Medikamente absolut kein Geld verlangt haben. Wir wissen, dass Medizinische Versorgung in Australien teuer ist und wissen ebenso, dass das so nicht selbstverständlich ist.

Crossing the Nullarbor – 1000 Kilometer durchs Nichts

Nach 3 Nächten im Big4 Caravan Park rüsten wir uns für die nächste Etappe: Durch den Nullarbor zu fahren steht sogar auf der Bucketlist vieler Australier. Nullarbor kommt aus dem Lateinischen „Nullus Arbor“ und bedeutet „Null Bäume“ – und das für hunderte Kilometer. Tankstellen mit Benzinpreisen über zwei Dollar pro Liter kommen im Abstand von ca. 250 Kilometern. Dazwischen ist Nichts. Nada. Wer sich also durch diese Region wagt, muss gut vorbereitet sein. Tanken wird zur Pflicht, sobald die Tanknadel in die untere Hälfte rutscht. Als wir Ceduna verlassen, halten wir noch einmal an einem Shop an um Wasser zu kaufen. Hier kostet die 0,5 Liter Flasche gerade mal schlappe 13 Dollar! Am Eingang hängt ein Schild: „Last Shop for 1100km“. Die können sich die Preise wohl leisten.

Eine ganze Weile lang sehen wir auf der Fahrt gefühlt gar nichts. Einzig ein Emu, der an unserem Auto vorbeiläuft, sorgt für Ablenkung.

Der Emu läuft an unserem Auto vorbei
Beinahe halten wir den großen Vogel für einen Busch.
Weit und breit keine Bäume in Sicht.
Weit und breit keine Bäume in Sicht

Eigentlich ist die Nullarbour-Region aber ein echter Hingucker: endlose Weiten, wunderschöne Sonnenuntergänge und ein mega Sternenhimmel in der Nacht! Auf der Strecke gibt es drei wunderschöne Aussichtspunkte an den Bunda Cliffs, die sich die komplette Nullarbor Region endlang ziehen. Auch wenn das Wetter nicht besonders toll ist und wir vom Wind fast erschlagen werden, vertreten wir uns dort die Beine und machen ein paar Fotos.

Richtiges Outbackfeeling am Roadhouse in Nullarbor
Richtiges Outbackfeeling am Roadhouse in Nullarbor
Roadtrains kommen einem gelegentlich entgegen
Roadtrains kommen einem gelegentlich entgegen
Ausblick auf die Bunda Cliffs
Ausblick auf die Bunda Cliffs

Wir stoppen im weiteren Verlauf am Head of Bight, um einen Versuch zu wagen. Von Juni-August gibt es dort nämlich Wale zu sehen. Es ist der 31. Mai, nicht ganz unwahrscheinich also, dass sich die Wale bereits auf den Weg nach South Australia gemacht haben.
Trotz Off-Season müssen wir am Eingang Sieben Dollar zahlen. Der unfreundliche Mann an der Theke haut uns ein „müsste vielleicht ein Wal da sein, wenn ihr Glück habt“ entgegen. Natürlich erst, nachdem wir die Karten bereits bezahlt haben. Naja.

Whale watching im Head of Bight
Türkisblaues Wasser und Wale, was gibt es cooleres?

Doch schon nach den ersten Minuten sehen wir eine riesige Wasserfontäne. Da planscht ein Wal direkt 20 Meter von der Küste entfernt im Türkisblauen Wasser. Das Geld hat sich also (gott sei Dank) gelohnt.

Schöne Aussicht auf die Klippen

Ansonsten fahren wir, und fahren, und – naja, fahren. South Australia scheint sich gefühlt verdoppelt zu haben. Und solangsam fangen wir an, uns über die Ziebeln im Kofferraum Gedanken zu machen. Richtig, Zwiebeln.

Von South Australia in den Westen

Nun sitzen wir also im Auto, auf dem Weg zur Grenze nach Western Australia und haben Zwiebeln im Kofferraum. Der Schweiß sitzt im Nacken. Nicht aber wegen der tief stehenden Sonne oder glühenden Hitze im Wagen, nein. Die Zwiebeln sind schuld! Innerhalb Australiens ist es in bestimmten Staaten verboten, bestimmte Güter einzuführen. Dazu zählen frisches Obst und Gemüse, Pflanzen oder auch Tierfelle. Das dient zum Schutz vor Schädlingen und Parasiten, die es in anderen Teilen der Welt gibt. Der Grund dafür ist, dass Australien bisher von vielen Krankheiten und Keimen verschont wurde und verständlicherweise soll das auch so bleiben.

Oft haben wir in Gesprächen mit Locals viele Tipps bekommen, wenn es um die Lebensmittel ging die man einführen dürfe. Bei Zwiebeln jedoch waren die Meinungen unterschiedlich. Wir beschließen es darauf ankommen zu lassen und fahren bis zum Checkpoint vor, wo uns ein kleiner dicker Mann mit einem freundlichen „G’day“ und einem Lächeln begrüßt. Wir machen sofort reinen Tisch, erklären ihm unser Zwiebelproblem und bekommen eine Antwort, mit der wir nicht gerechnet haben. Man dürfe im Prinzip jedes Gemüse einführen, man müsse es nur vorher schälen.
Wir überlegen kurz. Vor uns liegt noch eine ca. 3 Stündige Autofahrt durchs Nichts – und wir hätten 8 geschälte Zwiebeln im Kofferraum. Wir denken an den Gestank und sind uns einig: der freundliche Mann darf sie behalten.

Und dann fahren wir, um 8 Zwiebeln leichter, über die Grenze nach Western Australia der Sonne entgegen.

Ein Bucketlist-Moment: Ein Bild vor dem berühmten Schild in South Australia
Ein Bucketlist-Moment: Ein Bild vor dem berühmten Schild in South Australia

4 comments

  1. Hallo ihr zwei,
    hat wieder super viel Spaß gemacht euch auf eurer Reise, als lesende und im Sessel Füße hochlegende Fraktion, zu begleiten😂 vielen Dank für die schöne Erzählung.
    Bin auf die nächsten schon ganz gespannt. Passt auf euch auf und bis bald 👋

  2. Hallo Ihr Lieben, es ist immer wieder spannend von Eurer Reise zu lesen. Macht weiter so, freu mich schon auf die Fortsetzung. Wir sind zur Zeit in Kroatien. Was war mit Peter? Viel Spaß weiterhin und passt auf euch auf. Gruß Ruth und Hans

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