Die Sonne steht tief am Horizont und taucht den Himmel in ein grelles Orange, während die Hitze des Tages den Highway vor uns zum Flackern bringt. Die Reifen unseres Autos rollen über den heißen Asphalt. Hinter uns liegen hunderte Kilometer durch das Nichts, unsere Hirne sind matschig von der Fahrt.
Wer das Nullarbor Crossing machen möchte, braucht starke Nerven. Kaum eine Strecke ist so faszinierend und langweilig zugleich. Heute steht das durchqueren der Wüste nicht nur auf der Bucketlist von Tourist:innen und Backpacker:innen, sondern auch vieler Australier:innen. Tatsächlich habe ich das Nullarbor Crossing von Ceduna bis Norseman bereits während meiner Australienreise 2018 schon einmal gemacht. Und schon damals schwor ich mir, das nie wieder zu tun.
In diesem Erfahrungsbericht nehme ich dich mit auf einen Roadtrip der besonderen Art und gebe dir wertvolle Tipps und Informationen für deinen eigenen Trip durch die Nullarbor Würste.
Kurzer Disclaimer: Alle Texte auf diesem Blog sind ausschließlich eigene Werke und ohne Verwendung künstlicher Intelligenz entstanden. In einer Zeit, in der KI immer häufiger in verschiedenen Kontexten verwendet wird und oft nicht mehr von “echten” Werken zu unterscheiden ist, finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen. Wenn dir meine Arbeit gefällt, freue ich mich über deine Unterstützung, zum Beispiel in Form eines Kommentares.
Was ist das Nullarbor Crossing?
Eine Straße, die ins Unendliche zu führen scheint, kaum Kurven, keine Bäume. Wer vom sogenannten »Nullarbor Crossing« spricht, der meint die berühmte, etwa 1.200 lange Autofahrt über den Eyre Highway durch die Nullarbor Ebene im Süden Australiens. Die Route verbindet die Orte Ceduna im Bundesstaat South Australia und Norseman in Western Australia, die meisten fahren aber noch etwa 200 Kilometer weiter bis Esperance.
Der Name Nullarbor bedeutet auf Latein »keine Bäume«, und das beschreibt die Landschaft der Route ziemlich gut. Über hunderte Kilometer erstreckt sich um den Eyre Highway eine karge, wüstenähnliche Ebene, auf der man vergeblich nach Bäumen sucht. Ganz unbewachsen ist sie jedoch nicht, immerhin zieren Büsche das Landbild.
Die größte zusammenhängende Kalksteinebene der Welt blieb bis ins 19. Jahrhundert von den Europäern unberührt und war einst das Land des Mirning-Volkes. 1841 wurde sie schließlich das erste mal durchquert. Egal ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß: Heute wird sie von Tourist:innen wie Einheimischen gleichermaßen besucht.

Denn wenn man genau hinsieht, dann hat die Nullarbor Ebene viel mehr zu bieten als baumlose Landschaft. An der Küste trifft roter Sand auf das Meer, vor den hohen Klippen springen Wale aus dem Wasser und beim Buschcamping offenbart sich die Milchstraße in ihrer vollsten Pracht. Außerdem befährt man die längste gerade Straße der südlichen Hemisphäre und den längsten Golf Course der Welt.
Die Route – Kurz und Knapp
Distanz
1.200 – 1.400 Km
Fahrzeit
ca. 3 – 5 Tage
Beginn / Ende
Ceduna – Norseman (oder Esperance)
Tipps für das Nullarbor Crossing
Vorbereitung ist Key
Decke dich vor dem Start des Nullarbor Crossings in Ceduna oder Norseman nochmal gut mit Lebensmitteln ein. Kalkuliere im Vorfeld, wie lange du ungefähr unterwegs sein möchtest und rechne für den Fall einer Panne oder ähnlichem 1-2 Malzeiten mehr ein. Aber übertreibe es nicht, denn es gibt strenge Kontrollen an der Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten und die Mitnahme von bestimmten Lebensmitteln (vor allem frischem Obst, Pflanzen und Gemüse) ist nicht erlaubt. Weitere Infos zur Mitnahme von Lebensmitteln über die Grenze SA – WA findest du hier.
Fülle auch deine Wasservorräte auf, tanke noch einmal voll und nimm eventuell einen Reservekanister mit. Zwar gibt es sogenannte Road Houses auf der Strecke, es kann aber aufgrund der Lage schonmal vorkommen, dass sie gerade keinen Strom oder kein Benzin zur Verfügung haben. Auch solltest du das Nullarbor Crossing nur antreten, wenn dein Auto in einem guten Zustand ist, um lange Fahrten zu bewältigen. Eine Panne auf der Strecke ist sicherlich das Letzte, was du erleben möchtest. Aber: Der Eyre Highway ist eine ziemlich beliebte Route, die Australier super hilfsbereit und du wirst nicht lange warten müssen, bis dir jemand seine Hilfe anbietet.
Playlists, Hörbücher und co.
Der Internetempfang ist entlang der Route zwar mittlerweile besser, als bei meiner ersten Durchquerung 2018, aber dennoch sehr spärlich. Deshalb solltest du dir unbedingt im Vorfeld alles herunterladen, was du unterwegs hören möchtest. Ich empfehle aus eigener Erfahrung, gleich eine Vielzahl an unterschiedlichen Playlists, Podcasts und Hörbüchern auf dein Smartphone zu laden und für Abwechslung zu sorgen. Die Tage im Auto sind lang und die Abstände zwischen einzelnen Sehenswürdigkeiten entlang der Route liegen oft mehrere hundert Kilometer auseinander. Wenn dein Lieblingssong das 100. mal läuft und dir die Ohren bluten, wirst du dankbar sein, auf Alternativen ausweichen zu können.
Fahre nur tagsüber
Aufgrund der abgelegenen Lage ist es ratsam, nur tagsüber zu fahren. Das würde ich in Australien generell empfehlen, da Wildtiere wie Dingos oder Kängurus gerade in der Dämmerung, im Morgengrauen und in der Nacht besonders aktiv sind. Und wie man an den vielen Kadavern am Straßenrand unweigerlich feststellen muss, sind Wildunfälle in Australien gar nicht so selten.

Mache regelmäßige Pausen
Die langen, breiten Straßen Australiens und die karge Landschaft sind auf Dauer ermüdend. Das Nullarbor Crossing ist anstrengend, das Gehirn wird zwangsläufig matschig. Mache regelmäßig Pausen, stoppe an Sehenswürdigkeiten und Roadhäusern, um deine Energiereserven wieder aufzufüllen und wachsam zu bleiben.
Lange Road Trains, entgegenkommende Fahrzeuge und Wildtiere, die kurzerhand die Straße kreuzen, sind vor allem in Kombination mit Müdigkeit nicht zu unterschätzen.

Camping
Es gibt eine Vielzahl an kostenlosen Camping Spots entlang der Route von Ceduna nach Norseman, auch Buschcamping ist möglich. Meist gibt es sogar eine Toilette. Alternativ kannst du auch an den Roadhouses übernachten. Die meisten freien Campingplätze sind in beliebten Camping Apps zu finden. Wir haben für unsere Suche Park4Night und Wikicamps genutzt. Lese dir aber unbedingt die Kommentare anderer Camper durch, bevor du einen der Spots anfährst.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für das Nullarbor Crossing ist im Australischen Frühling (Ende September bis November) oder im Herbst (Anfang März bis Ende Mai). Im Australischen Sommer kann es dort extrem heiß und im Winter (vor allem Nachts) sehr rau und kalt werden, weshalb eine Durchquerung in diesen Monaten nicht empfehlenswert ist.
Erfahrungsbericht Nullarbor Crossing
So sehr ich nach meinem Work & Travel 2017/18 all die Jahre nach Australien zurückwollte, so gab es dennoch eine Sache, die ich eigentlich nie wieder machen wollte: Das Nullarbor Crossing von Ceduna bis Norseman. Naja, eigentlich ist ja auch irgendwie ein relatives Wort und man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben.
Über Jahre hinweg hatte ich meinem Mann so oft und ausgiebig von meinem Herzensland Australien vorgeschwärmt. Nach Ankunft in Australien haben wir uns in Sydney ein Auto gekauft und damit bereits Orte wie Melbourne, die Great Ocean Road und die Flinders Ranges unsicher gemacht. Alles wunderbare und sehenswerte Orte.

Allerdings war es vor allem Western Australia, das mich 2018 so in seinen Bann gezogen hatte und das ich Tobi schon immer zeigen wollte. Zwischen den beiden Orten Ceduna in South Australia und Norseman in Western Australia liegen rund 1.200 Kilometer Niemandsland. Es führt also kein Weg daran vorbei. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mir diese Fahrt ein weiteres Mal antun würde. Doch um Tobi Western Australia zeigen zu können, muss ich wohl noch einmal in den sauren Apfel beißen und mit ihm gemeinsam die Nullarbor Durchquerung antreten.
Nullarbor Crossing Tag 1
Vorbereitung in Ceduna
Wer wie wir von South Australia kommt, für den ist Ceduna die letzte größere Siedlung vor dem Crossing und damit die letzte Gelegenheit, nochmal alle Vorräte aufzufüllen. Es handelt sich hier allerdings um keine große oder sehenswerte Stadt und leider gibt es keinen Coles oder Woolworth mehr, sondern lediglich den etwas teureren Foodland Supermarkt und ein paar Tankstellen. Deshalb haben wir uns schon einige Kilometer vorher in Whyalla mit Lebensmitteln ausgestattet und in Ceduna nur noch das Nötigste besorgt.

Mit vollem Wasser- und Benzinkanister und einer letzten kalten Cola von Hungry Jacks in der Mittelkonsole machen wir uns schließlich auf den Weg in Richtung Westen.

Die ersten Kilometer
Dann heißt es erstmal: fahren, fahren fahren! Ein genaues Tagesziel haben wir nicht. Wir wollen so weit fahren, wie uns die Zeit bis Sonnenuntergang bringt. Während unsere Playlist ein Lied ein nach dem anderen durch unsere Lautsprecher trällert, freuen wir uns über entgegenkommende Fahrzeuge. Denn beim Nullarbor Crossing gibt es eine unausgesprochene Regel: Kommt dir ein Fahrzeug entgegen, grüßt man sich gegenseitig. Immer. Ohne Ausnahme. Das passiert ohnehin nur selten, sodass selbst das irgendwann zu einem (für uns witzigen) Highlight wird. Manche grüßen kaum merklich, andere wiederum richtig euphorisch.
»Daran merkt man den Grad der Verzweiflung«, scherze ich zu Tobi, während die Frequenz der Bäume um uns herum Kilometer für Kilometer abnimmt, je weiter wir in die Nullarbor Ebene hineinfahren.
Nullarbor Plain
Schließlich erreichen wir das Herzstück des Eyre Highways. Ein braunes Schild markiert den Beginn der Nullarbor Plain und wir lassen es uns nicht nehmen, einen kleinen Stopp einzulegen, um ein ikonisches Foto mit unserem Auto zu machen und unsere Drohne steigen zu lassen. Fantastische Aufnahmen, denn aus der Vogelperspektive wird noch einmal mehr deutlich, durch welch abgeschiedene Region wir uns bewegen.


Ab hier beginnt nun die endlose Weite ohne Bäume. Auch wenn mit dem Nullarbor Crossing die komplette Strecke zwischen Ceduna und Norseman gemeint ist, ist der tatsächlich »baumlose« Streckenabschnitt im Verhältnis zur kompletten Route aber gar nicht mal so lang, und mit der Zeit werden die kleinen Büsche am Straßenrand auch wieder größer.

Nullarbor Roadhouse
Einige Kilometer hinter dem Schild kommt das ikonische Nullarbor Roadhouse. Es ist das älteste Roadhouse und wurde nach Fertigstellung des Eyre Highways im Jahr 1976 errichtet.

Das originale Gebäude steht noch heute auf dem Grundstück und ist ein cooles. Fotomotiv. Neben einer Tankstelle und einem kleinen Pub bietet es mit einem alten Caravan Park auch eine Übernachtungsmöglichkeit inmitten der Nullarbor Plain. Doch selbst wenn man nicht dort übernachtet, ist es auf jeden Fall einen Stopp wert.

Die Magie des Buschcampings
Als die Sonne so langsam untergeht, beschließen wir, etwas abseits des Highways zwischen den Büschen unser erstes Nachtlager aufzuschlagen. Zur Krönung des Tages belohnen wir uns mit Wraps und einem kühlen Bundaberg, einer typisch-australischen Limonade. Unser Blick ist dabei stets auf den orangenen Himmel am Horizont gerichtet, umgeben von nichts als absoluter Stille und dem gelegentlichen leisen Aufheulen der Roadtrain-Motoren in der Ferne.
Internetempfang haben wir keinen, aber das ist auch nicht schlimm. Während wir da so sitzen, überkommt mich ein unbändiges Freiheitsgefühl. Es fühlt sich an wie eine Pause vom Alltag, fernab des sonst so hektischen Trubels. In der Nacht offenbart sich uns ein grandioser Blick auf die Milchstraße. Das, meine Lieben, ist für mich die Magie des Buschcampings, und ich liebe alles daran.

Die Schattenseiten des Buschcampings
Am nächsten Morgen öffne ich pünktlich zum Sonnenaufgang meine Augen. Das Bett neben mir ist leer. Tobi hat die kühle Luft des Morgengrauens genutzt und war bereits eine Runde joggen (fragt nicht, er ist einfach krass drauf. Ich könnte das nicht). Eingemummelt beobachte ich schläfrig, wie er Tisch und Stühle für das Frühstück vorbereitet. Es ist alles so ruhig und friedlich, fast schon zu ruhig. Hin und wieder brummt es an der Zeltwand. »Nichtmal im Outback ist man vor den Moskitos sicher«, denke ich und verdrehe genervt die Augen.
»AUA! Die Viecher beißen!«, schreit Tobi plötzlich. Der hatte sich gerade unter unsere Camperdusche gestellt, um sich den Schweiß seiner Joggingrunde vom Körper zu waschen. »Autsch! Aua… Verdammt, aua!«, höre ich ihn immer wieder fluchen. Binnen weniger Minuten verwandelt sich das gelegentliche Brummen in ein durchgehendes Konzert.
»Oh mein Gott, das ist ja nicht auszuhalten! Wir müssen hier weg! Komm raus da!«
Schließlich erbarme ich mich, entledige mich genervt meiner kuscheligen Decke und komme aus dem Zelt geklettert.
Dann erst sehe ich das Ausmaß: Bremsen. Überall Bremsen.
Kaum klettern die Temperaturen etwas an, kommen sie aus ihren Löchern aus dem Boden gekrochen. Tausende schwarze Punkte schwirren um uns herum und wir können uns kaum retten. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Frühstück ausfallen zu lassen und das Weite zu suchen. Zum Glück sind wir alleine, denn würde uns jemand dabei beobachten, wie wir wild um uns schlagend, kreischend und fluchend ohne Sinn und Verstand unser Zeug ins Auto schmeißen, um das Camp anschließend fluchtartig zu verlassen, der hätte wahrscheinlich im Irrenhaus angerufen und nachgefragt, ob ihnen zwei entlaufen sind. Das, meine Lieben, sind die Schattenseiten des Buschcampings, und ich hasse alles daran.
Nullarbor Crossing Tag 2
Bunda Cliffs
Nach dem hektischen Start in die zweite Etappe kommen wir dann aber doch etwas zur Ruhe. Nach einer Weile führt uns der Highway an die Bunda Cliffs, wo wir unseren ersten Stopp des Tages einlegen. Wir nutzen die Gelegenheit für einen zweiten Frühstücksversuch. Zwar ist es so windig, dass wir hinter unserem Auto Schutz suchen müssen, aber immerhin sorgt der Wind ebenfalls dafür, dass wir unser Essen ohne brummende Gesellschaft genießen können. Nach dem Frühstück vertreten wir uns noch etwas die Beine. Der Ausblick von den bis zu 80 meter hohen Klippen ist wirklich spektakulär und bietet eine gelungene Abwechslung zur tristen Autofahrt.

Direkt vor der Küste erstreckt sich der Great Australian Bight Marine Park, wo es von Juni bis August gute Chancen auf Walsichtungen gibt. Bei meinem Besuch 2018 besuchte ich das Head of Bight und hatte tatsächlich das Glück, nur wenige Meter von der Klippe entfernt einen Wal zu beobachten. Allerdings hat man am Eingang trotz Nebensaison $7 AUD von mir verlangt, und heute kostet der Eintritt für Erwachsene schlappe $20 AUD (Nebensaison $10 AUD). So gerne ich touristische Angebote auch unterstütze, so finde ich das etwas übertrieben. Lasst euch gesagt sein: Wenn Wale da sind, dann sieht man sie auch an anderen Stellen der Küste sichtbar. Eine tolle Möglichkeit gibt es zum Beispiel an den Great Australian Bight – Scenic Lookouts 1, 2 & 3.

Grenzkontrollen im Border Village
Ansonsten fahren wir. Und fahren. Unsere anfänglichen Gespräche werden ruhiger, die Luft im Auto schwerer. Es herrscht eine negative Korrelation zwischen Sitzkomfort und Geduld. Inzwischen haben wir mehr als 800 Kilometer der Strecke hinter uns gebracht, als wir endlich die Grenze zwischen South- und Western Australia erreichen.
Wie in den Tipps zum Nullarbor Crossing im oberen Teil des Artikels bereits erwähnt, gibt es an der Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten strenge Kontrollen auf frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Pflanzen und Samen. Es dient dazu, die Verbreitung bestimmter Krankheiten und Parasiten zu verhindern. Unser Auto wird von einer kleinen netten Australierin überprüft. Wir haben aber gut gehaushaltet und unser Gemüse in den Wraps am Vorabend verarbeitet. Nur unser Honig muss leider in Südaustralien bleiben, der Rest darf mitkommen.
Der längste Golf Course der Welt
Egal ob wir müssen oder nicht, jedes Roadhouse am Straßenrand wird von uns dankend als Möglichkeit angenommen, eine kleine Pause zu machen und aus dem Auto rauszukommen. So halten wir auch in Eucla, um uns an den Tischen der Tankstelle unser Abendessen zuzubereiten. Während wir unsere Nudeln mit Pesto zubereiten, beobachten wir zwei junge Männer mit Golfschlägern. Der Nullarbor Links ist tatsächlich der größte Golfplatz der Welt. Jedes Roadhouse zwischen Ceduna und Norseman bietet Schläger zum ausleihen, eine Scorecard und ein Loch zum Putten. Und das wird scheinbar auch genutzt.
Die Nacht verbringen wir auf einem freien Campingplatz zwischen anderen Campern, die sich zwischen den Büschen verteilt haben. Eine Buschtoilette mit einer Riesenspinne als Wachmeisterin gibt es inklusive dazu.

Nullarbor Crossing Tag 3
Die letzte Etappe
Am nächsten Morgen werden wir zum Glück von unseren brummigen Freunden verschont, sodass wir in Ruhe frühstücken und uns mental auf die letzte Etappe vorbereiten können. Vor uns liegen noch immer einige Hundert Kilometer, die es zu bewältigen gilt. Denn genaugenommen endet unser Roadtrip, wie für viele andere auch, nicht in Norseman, sondern im nochmal 200 Kilometer weiter entfernten Esperance.
Nach drei Tagen auf engsten Raum im Auto sehnen wir uns gerade sehr nach Zivilisation, einem Supermarkt und einer anständigen Dusche. Solche Trips sind aber gerade auch deshalb etwas besonderes. Sie bringen uns ungeschönt auf den Boden der Tatsachen zurück und schenken uns Dankbarkeit für Dinge, die in unserem schnelllebigen Alltag völlig normal geworden sind.

Old Dundas Town
Nachdem wir Norseman und damit das eigentliche Ende des Nullarbor Crossings durchfahren haben, machen wir noch letzten Zwischenstopp zum Mittagessen an einem Parkplatz am Straßenrand. Dort fällt uns ein kleines, unscheinbares Schild mit der Aufschrift »Old Dundas Town« ins Auge. Auch wenn eigentlich jeder Muskel unseres Unterleibs protestiert, nehmen wir den kleinen Umweg auf uns und folgen dem Schild.
Old Dundas Town ist eine historische Städte einer Gemeinde, die während des Goldrauschs im späten 19. Jahrhundert entstand. Auf der Suche nach Gold ließen sich in kurzer Zeit mehr und mehr Menschen in der Stadt nieder. Sie beherbergte wichtige Gebäude wie Schulen, ein Postamt, Geschäfte, Hotels und Pubs. Doch als die Goldvorkommen in der Region zur Neige gingen und der Bergbau immer weniger rentabel wurde, begann die Einwohnerzahl von Dundas rapide zu sinken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Siedlung schließlich komplett verlassen, und heute muss man schon ganz genau hinsehen, um die wenigen Überreste der einstigen Stadt zwischen den Büschen überhaupt zu erkennen.
Nach der Städte beginnt ein kleiner, schmaler 4WD-Track, der uns neugierig macht. Wir fahren noch ein Stück weiter und kommen an einem ausgetrockneten Salzsee heraus. Was für eine schöne Landschaft!


Esperance
Dann haben wir es endlich geschafft. Über 1.400 Kilometer durch drei Zeitzonen, einem Grenzübergang und jede Menge abgestorbene Gehirnzellen später rollen wir am Eingangsschild von Esperance vorbei.
Auf dem Weg zum Campingplatz passieren wir Bäckereien und Cafés, einen McDonalds, Supermärkte, Shopping Malls. In der Stadt ist kaum ersichtlich, dass nur wenige Kilometer danach eine so riesige Einöde beginnt. Auf dem Campingplatz angekommen lasse ich mir von einer heißen Dusche den Dreck der letzten Tage vom Körper spülen.

In Gedanken sitze ich dabei aber immer noch im Auto. Ich denke daran, wie oft ich unterwegs schon wieder gesagt hatte, dass ich es nie wieder tun würde, und muss lachen. Ob mich die Nullarbor Ebene wirklich nie wieder sehen wird? Wie kann etwas so brutal langweilig, aber dennoch faszinierend und spannend zugleich sein, sodass es einen nicht mehr loslässt? Es ist verrückt, das jetzt zu schreiben. Aber so wirklich glaube ich selbst nicht daran, dass es meine letzte Durchquerung war.
Über Esperance und Umgebung wird es im folgenden einen gesonderten Blogartikel geben.
Fazit Nullarbor Crossing
Du wirst es hassen. Du wirst dich ab einem gewissen Punkt sicher für deine Entscheidung, durch den Nullarbor zu fahren, verfluchen.
Wenn ich mir heute die Bilder unseres Roadtrips anschaue, von den endlosen Weiten, den Emus am Straßenrand, den Road Trains und den alten Roadhouses, dann geht mir das Herz auf. So langweilig es zwischenzeitlich auch sein mag, so ist und bleibt es dennoch ein Roadtrip-Abenteuer der besonderen Art. Auch wenn es mir zwischendurch vorkam, als würden wir nie wieder auf Zivilisation treffen und die Strecke niemals enden, ist es rückblickend eine absolut grandiose Reiseerfahrung, die ich nicht missen möchte.
Eines kann ich dir also versprechen: Wenn du Abends da so vor deinem Camper sitzt, ein frisches Bundaberg in der Hand, um dich herum nichts als endlose Weite und ein Sonnenuntergang in Farben, wie ihn dir nur Australien schenken kann, dann weißt du, dass es eine gute Entscheidung war.
Und auch ich musste lernen: Das Nullarbor Crossing führt durch eine Region, die auf den ersten Blick langweiliger kaum sein könnte. Und dennoch löst es ein solch unbändiges Freiheitsgefühl aus, das so süchtig macht, dass man irgendwann zurückkommt, selbst wenn man sich schwört, es nie wieder zu tun.
